Cybermobbing und Neue Medien: "Informieren und stärken!"

Im 13. Bezirk wurde zum Infonachmittag über Cybermobbing und Neue Medien geladen.

Bezirksvorsteherin Silke Kobald (2.v.r.) und Don Bosco-Bildungshausleiter Alexander Laimer-Netsch (3.v.r.) mit den Referentinnen und Referenten des Infonachmittags.

Cybermobbing und Neue Medien standen im Fokus des Infonachmittags, der vergangenen Freitag im Amtshaus Hietzing abgehalten wurde. Bezirksvorsteherin Silke Kobald und das Team der Jugend- und Erwachsenenbildung des Don Bosco Hauses hatten gemeinsam dazu eingeladen.

Jahresschwerpunkt Medienkompetenz und Cybermobbing

Cybermobbing sei etwas, "dass latent schlummert und dem wir uns als Gesellschaft annehmen sollten - und zwar rechtzeitig", betonte Silke Kobald. "Das Thema wird immer brisanter und wird uns noch die nächsten Jahre beschäftigen. Deshalb ist es wichtig, dass nicht nur die Jugendlichen Experten auf dem Gebiet sind, sondern auch wir für sie da sind", meinte Alexander Laimer-Netsch, Bildungshausleiter des Don Bosco Hauses Wien, das "Medienkompetenz und Cybermobbing" zum Jahresschwerpunktthema ernannt hat.

Erfahrungen aus eigener Kindheit fehlen

Kinder kommen heute im Volksschulalter ins Internet. "Die Eltern- und PädagogInnen-Generation hat dazu aber keine Muster aus ihrer eigenen Kindheit mitbekommen", erklärte Medienpädagogin Caroline Weberhofer in ihrem Vortrag. Sie verglich das erste Smartphone bzw. Tablet eines Kindes mit der Verkehrserziehung: "Da brauchen sie am Anfang genauso Begleitung wie beim Schulweg, um zu wissen, welche Gefahren es gibt und wie man damit umgeht." Sie empfiehlt Kinder so lange zu begleiten und zu unterstützen, "bis man das Gefühl hat, dass sie sich nun sicher im Internet bewegen können."

Mobbing macht keine Pause mehr

Im Fall von Mobbing sei zu bedenken, dass dies heutzutage durch die Ausweitung auf den Cyberraum eine ganz andere Dimension annehme, erklärte Caroline Weberhofer. Auch Michaela Horn, selbst Mutter mehrerer Kinder, weiß darüber leider nur zu gut Bescheid: "Früher hat Mobbing aufgehört, wenn wir die Schule verlassen haben. Heute dauert's aber 24 Stunden." In einem Film, den Medienpädagogin Caroline Weberhofer gemeinsam mit Studierenden der Universität Klagenfurt drehte, erzählt Michaela Horn die Geschichte ihres Sohns Joel.

"Wir können unseren Kindern nicht verbieten ins Internet zu gehen oder ein Smartphone zu benutzen. Aber wir können sie stark machen und informieren. Ein informiertes Kind ist weitaus geschützter als eines, das sich nicht auskennt", betonte Michaela Horn. Sie empfiehlt darüber zu reden was die Kinder im Internet machen, da es für Kinder eine enorme Hemmschwelle sei sich Erwachsenen anzuvertrauen, die selbst kein Interesse an derartigen Dingen zeigen: "Die Kinder sollen wissen: Egal was für Probleme du im Internet hast, du kannst zu mir kommen!".

Der "Cybermobbing-Paragraf"

Markus Trenn ist Kriminalbeamter der Wiener Polizei und arbeitet in der Kriminalprävention. In seinem Vortrag beschrieb er Cybermobbing als gruppendynamischen Prozess und erklärte den seit Jahresbeginn 2016 wirksamen "Cybermobbing-Paragrafen" (StGB §107c). Laut diesem kann Cybermobbing sogar mit einer Gefängnisstrafe von bis zu einem Jahr bzw. bei Selbstschädigung des Opfers mit einer Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden. Zur Prävention riet er eine Vertrauensbasis aufzubauen um AnsprechpartnerIn zu sein, Kinder und Jugendliche bezüglich Mobbing und dessen Folgen zu sensibilisieren, ihren Selbstwert zu stärken und auf eventuelle Verhaltensänderungen zu achten. Im Falle von Cybermobbing sei es wichtig Beweise, z.B. mittels Screenshots oder dem Speichern oder Ausdrucken von Chatverläufen, zu sichern.

Kinder fit für die digitale Zukunft machen

Das Unterrichtsprinzip Medienerziehung ist gesetzlich verankert, erklärte Evelyn Molin-Zenker, Leiterin der Ganztagesvolksschule Steinlechnergasse. Auch dort legt man viel Wert darauf die Kinder dahingehend "fit" zu machen. Dazu gehöre auch der kritische Umgang mit Medien, der in der Volksschule Steinlechnergasse unter anderem bei Schülerzeitungs-Workshops oder bei Workshops zum Thema Fake News behandelt wird. Einige Klassen der Schule haben einen IT-Schwerpunkt und somit eine zusätzliche Wochenstunde, die sich solchen Themen widmet. Mithilfe des Elternvereins konnten außerdem iPads in Klassenstärke angeschafft werden, die seither immer wieder in allen Klassen und Gegenständen zum Einsatz kommen. "Die digitale Zukunft ist da und sie überholt sich fast selbst. Auch die Schule muss hier mithalten. Wir müssen die Kinder fit machen" - und dazu brauche es die Kinder, die Eltern und die PädagogInnen, fasste Evelyn Molin-Zenker zusammen.


Tipps vonseiten der Kriminalprävention der Polizei:

  • Vertrauensbasis aufbauen und erhalten
  • AnsprechpartnerIn sein
  • altersadäquate Verantwortung übertragen (um Kinder zu stärken)
  • Sensibilisierung bzgl. Mobbing und dessen Folgen
  • Selbstwert stärken
  • Verhaltensänderung beachten (wie z.B. passiv, depressiv, weniger Selbstvertrauen, ängstlich, zurückgezogen etc.)
  • Im Mobbingfall: Beweise sichern (Screenshots, Speichern, Ausdrucken etc.)
  • Infoline des Landeskriminalamts Wien: 0800 21 63 46