Der große Lernroboter-Test – Teil 10: Thymio

Der Wiener Bildungsserver hat verschiedene Lernroboter aus pädagogischer und technischer Perspektive getestet. Teil 10: Der Thymio.

Robotertest
Der Thymio-Roboter wirkt vergleichsweise unscheinbar, bietet aber vielfältige Programmier-Möglichkeiten am Computer.

Der Thymio II Wireless-Lernroboter wird mittels Computer oder direkt am Roboter programmiert bzw. gesteuert. Neben Bewegung, Audio-Ausgabe und –Erkennung sowie Beleuchtung können so auch Näherungssensoren, Linienfolgesensor und ein 3-Achsen-Beschleunigungssensor genutzt werden. Eine Besonderheit: Beim Thymio handelt es sich um ein Open Source-Projekt. Alle Hardware, Software und Dokumentationen werden von den verschiedenen Partnern frei zur Verfügung gestellt.

Erste Inbetriebnahme

Der Thymio-Roboter wird mit einem Akku betrieben, dieser ist im Roboter verbaut. Zum Lieferumfang des Thymio II Wireless Roboters gehört neben der Kurzanleitung und einem USB-Kabel auch das Wireless-Modul. Dieses muss jedoch selbstständig an die Platine des Roboters angelötet (bzw. befestigt) werden. Ohne Computer können sechs autonome, vorprogrammierte Modi genutzt werden, bei denen der Roboter z.B. der Hand oder einem Objekt folgt, automatisch Hindernisse vermeidet oder auf Klatschgeräusche reagiert.

Die zur Programmierung am Computer benötigte Software ist auf der Hersteller-Webseite kostenlos verfügbar. Der erste Verbindungsaufbau zwischen Computer und Roboter mittels USB-Kabel funktionierte problemlos, der kabellose Verbindungsaufbau war im Test hingegen umso mühseliger. Immer wieder bedurfte es mehrerer Versuche, bis überhaupt eine Verbindung hergestellt werden konnte. Erfahrungsberichten anderer Nutzer zufolge bestehen hierbei vor allem unter Windows 10 Probleme.

Handhabung

Auch wenn der Test des Thymio-Roboters von laufenden, technischen Problemen begleitet wurde, sind die vielen unterschiedlichen Sensoren des Roboters beachtlich: Neben Näherungssensoren stehen auch ein Linienfolgesensor, ein Temperatursensor, ein IR-Empfänger und ein Beschleunigungsensor  zur Verfügung. Eine Öffnung in der Mitte des Roboters dient als Halterung für einen Stift, so dass der Thymio-Roboter bei seiner Bewegung auch Linien zeichnen kann.

Am Computer stehen insgesamt drei verschiedene Programmierumgebungen für den Thymio-Roboter zur Verfügung. Entsprechende Hilfestellungen, Tutorials etc. finden sich auf der Hersteller-Webseite:

  • Thymio VPL: Visuelle Programmierumgebung, in der ausschließlich mit Symbolen und ohne Text programmiert wird.
  • Thymio Blockly: Grafische Codeblöcke werden aneinander gereiht.
  • Aseba Studio: Text-Programmierung in der Programmiersprache Aseba.

Pädagigisches Fazit

Thymio kann ab einem Alter von 4 Jahren eingesetzt werden. Durch sein breites Spektrum an Programmiermöglichkeit ist das Alter nach oben hin offen. Für Kinder von 4-8 Jahren bietet der Roboter sechs vorgegebene Modi (z.B. Hand verfolgen, Steuerung per Tasten, Hindernisse vermeiden …)  welche spielerisch eingesetzt werden können, jedoch nur sehr peripher etwas mit Coding zu tun haben. Ab 7 bzw. 8 Jahren wird der Einstieg zum Programmieren mit der VPL (Visual Programming Language) vom Hersteller empfohlen – wir würden den Einsatz ab der ersten Klasse Volksschule empfehlen. Diese, auf Bildkarten basierende, Programmiersprache erfordert keine Lesekompetenz und hat eine Oberfläche für Anfänger und für Fortgeschrittene. Schwerpunkt der grafischen Programmierung ist das Programmieren der Tasten und Sensoren, welche sich oben auf dem Roboter befinden. Hier kann man den Motor einstellen, sowie Töne und Lichter in unterschiedlichen Farben hinzufügen.

Für SchülerInnen ab ca. 8/9 Jahren gibt es eine weitere Programmierumgebung namens „Thymio Blockly“. Wie bei fast allen von uns getesteten Robotern funktioniert die Progammierung auch hier nach dem Bausteinprinzip. Anders als bei anderen Blockly-Versionen kann jedoch hier z.B. nicht angegeben werden „drehe dich 90 Grad nach rechts und fahre 50 cm vorwärts“, sondern es muss der Motor nach Geschwindigkeit programmiert werden. Ab der Sekundarstufe 1 bzw. 2 kann dann die Programmiersprache „Aseba“ eingesetzt werden, welche eine textbasierte, imperative Programmierung ähnlich wie „Matlab“ ist. Thymio ist darüber hinaus vollständig ein Open Source-Projekt (lizenzfrei) , wodurch sich seine Einsatzmöglichkeiten auch für komplexere Projekte anbietet.



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