Ein Safer Internet-Tag in der Volksschule

Kettenbriefe, Fake News und Co.: Am Bildungscampus Seestadt wurde zum Safer Internet-Stationentag geladen.

Reportage
Wird die Seestadt bald wirklich in "Stadt" umbenannt? Die SchülerInnen des Bildungscampus Seestadt mussten raten.

HINWEIS: Der Safer Internet-Projekttag, über den in dieser Reportage berichtet wird, fand Ende Februar 2020 (vor Ausbrauch der Covid19-Pandemie) statt.

“Hast du schon die Tik Tok-Station gemacht? Die ist cool!”, empfiehlt ein Schüler seinen Klassenkolleginnen, als er sie am Gang trifft. Schon machen sich die beiden mit ihren Stationenplänen auf den Weg, ihr Klassenkollege bleibt unterdessen stehen und beobachtet interessiert das Geschehen der Station zum Thema Werbung, ehe er sich anschließt.

Im Februar wurde am Bildungscampus Seestadt zum Stationentag zum Thema Safer Internet geladen. Während einige Klassen den Tag auswärts mit Skifahren verbrachten, huschten etwa 300 SchülerInnen aller Jahrgänge von Klasse zu Klasse und lernten bei unterschiedlichen Stationen zum Thema Safer Internet. Die Funktionsweise des Internets, Fake News, Tik Tok, Werbung, Cybermobbing, Kettenbriefe, WhatsApp – inhaltlich wurde den Kindern innerhalb von zwei Stunden ein sehr vielfältiges Programm geboten.

TikTok: Kreativität vs. Sicherheit

Bei der TikTok-Station angekommen werfen die beiden Schülerinnen einen Blick auf das Interactive Whiteboard. Zwei TikTok-Videos sind einander gegenübergestellt, auf einem ist ein tanzender junger Mann zu sehen, auf dem anderen eine gestikulierende Hand. Drei wichtige Regeln stehen deutlich hervorgehoben in der Mitte: Verwende niemals deinen echten Namen, zeige dein Gesicht nicht vor der Kamera und schalte dein Profil auf privat. Die Lehrerin spricht mit den SchülerInnen kurz über das, was sie hier sehen. Nach wenigen Minuten dürfen die Kinder selbst kreativ werden: Mittels der Kamera-App am Tablet sollen sie selbst Videos im TikTok-Stil aufnehmen, auf denen sie selbst aber nicht erkennbar sein dürfen. Wenige Momente später versuchen sich einige als FingerakrobatInnen, andere zeichnen oder werden mit herumliegenden Gegenständen kreativ.

In einer anderen Klasse wird gerade das Thema Fake News in einem kurzen Video erklärt. Danach gibt’s ein Quiz: Am Interactive Whiteboard werden nun verschiedene Beispiele gezeigt, reale Bilder und Nachrichten wie auch Fälschungen. Wer glaubt, es handelt sich um einen Fakt, stellt sich links auf, wer glaubt es sei ein Fake rechts. “Geigerin spielte während Gehirn-OP Instrument”, liest die Lehrerin eine Schlagzeile vor, die im ersten Beispiel zu lesen ist. “Das muss ein Fake sein!”, meinen die meisten SchülerInnen und stellen sich rechts auf. Die Lehrerin lächelt: “Falsch! Das ist tatsächlich passiert”, erzählt sie und erklärt kurz die Hintergründe des Artikels. “Seestadt bald nur noch Stadt!” ist im nächsten Beispiel als Schlagzeile zu lesen. Jetzt sind sich die Kinder sicher, sie lachen: “Das ist Fake!”

Vorsicht vor Fake Profilen

Dass nicht nur Informationen und Nachrichten im Internet gefälscht sein können, ist einige Räume weiter Thema. Ein Lehrer veranschaulicht, wie schnell und mit welchen Motiven und Strategien ein gefälschtes Profil auf Instagram oder TIkTok angelegt werden kann. Er verrät auch, wie man Fake Profile entlarven kann: “Bittet zum Beispiel um ein Foto, dass es so bestimmt nicht online gibt, z.B. eines, mit einem Schlüssel in der linken Hand, einem Stift in der rechten und einem Tixostreifen auf der Nase.” Um das Erstellen von Fake Profilen zu erschweren und um in sozialen Medien sicher unterwegs zu sein, betont er, dass es wichtig ist, das eigene Profil möglichst privat zu stellen.

WhatsApp ist das Thema einer anderen Station. Nachdem gemeinsam über die Vor- und Nachteile der App gesprochen wurde, wird zum Abschluss noch das Video “Der Ausposauner” angesehen. Die Message: Lieber zweimal darüber nachdenken, was man weiterschickt und was nicht. Ähnlich geht es bei der Kettenbrief-Station vor sich: Gemeinsam werden verschiedene Arten von Kettenbriefen besprochen und was die Hintergründe und die typischen Merkmale davon sind. Zum Abschluss wird noch einmal betont, dass es wichtig ist, solchen Unfug nicht noch weiter zu verbreiten sondern lieber zu löschen.

So funktioniert das Internet

In einem anderen Raum steht unterdessen die Funktionsweise des Internets am Programm. Am Interactive Whiteboard geht die Lehrerin ein interaktives Lernmodul mit den SchülerInnen durch, dass einfach und grundlegend erklärt, wie das Internet funktioniert. Danach liegen laminierte Bilder von verschiedenen elektronischen Geräten bereit: Smartphones, Computer, Tablets, Spielekonsolen, smarte Uhren und mehr. Alles was internetfähig ist, wird mit einem Faden verbunden, bis zum Schluss ein großes Netz entsteht.

Kreativ geht’s bei der Emoji-Station zu: Während einige SchülerInnen am Computer sitzen und mit einem Online-Generator ein eigenes Emoji entwerfen, spielen andere ein Emoji-Memory oder malen Bilder. Emojis sind auch bei der Station “Kommentare und Likes” zu sehen. “Mit denen bist du befreundet?!?”, begleitet von einem augenrollenden Gesicht ist am Whiteboard zu lesen. Die Lehrerin zeigt ein gepostetes Bild, das entsprechend kommentiert wurde. “Das Kommentar ist gemein!”, meint eine Schülerin empört. Die Lehrerin spricht mit den SchülerInnen über gemeine Kommentare und betont, dass diese Menschen verletzen können. Sie erklärt, dass Kommentare gemeldet oder auch gelöscht werden können und man sich im Zweifelsfall an Erwachsene wenden soll. Zum Abschluss sollen die SchülerInnen am Tablet selbst kommentieren - aber bitte positiv: Dazu hat die Lehrerin ein Padlet mit verschiedenen Bildern aus dem Schulalltag vorbereitet. “Ein schönes Foto!” und “Sieht cool aus!” ist bereits unter einigen zu lesen.

Wozu Passwörter wichtig sind und was man dabei beachten sollte, wird einige Räume weiter gerade in einem Video erklärt. Im Anschluss daran haben die Kinder die Gelegenheit, selbst auszuprobieren, welches Passwort sicher ist und welches nicht: Am Tablet überprüfen sie auf check-dein-passwort.de, wie lange ein Computerprogramm benötigen würde, um so ein Passwort zu knacken. “Ich hab ein gutes: 50.000 Jahre!”, staunt eine Schülerin.

Werbung erkennen können

Am Gang vor der Station wird ein Quiz zum Thema Werbung und In-App-Käufe gespielt. “Du spielst ein Autorennspiel am Handy. Du kannst zwischen verschiedenen Autos wählen, doch neben den coolsten Autos ist eine Münze abgebildet. Denkst du, die kosten etwas?”, will die Lehrerin von drei SchülerInnen wissen. Die SchülerInnen grübeln kurz und entschließen sich zu einem “Ja! Das kostet was”. Richtig - sie dürfen ein Feld weiterrücken.

Nach zwei actionreichen Stunden versammeln sich die SchülerInnen wieder im Turnsaal. Zum Abschluss laden die Lehrenden  zum gemeinsamen Kettenbrief-Experiment. Sie verteilen 4 große Briefumschläge an 4 verschiedene Kinder. In jedem der Umschläge befinden sich 10 weitere, kleine Briefumschläge, die an andere Kinder weitergegeben werden sollen. Die darin enthaltenen jeweils 10 kleinen “Kettenbriefmonster”-Bilder werden ebenfalls weiterverteilt. Es dauert nur knapp 2 Minuten, bis alle ca. 300 SchülerInnen den symbolischen “Kettenbrief” erhalten haben. Kettenbriefe verbreiten sich rasend schnell und sollten daher besser gar nicht erst weitergeschickt werden, erklärt eine Lehrerin noch einmal. Zum Abschluss zeigen die SchülerInnen mittels Handzeichen, wie gut ihnen der Stationentag gefallen hat. Die mehrheitliche Meinung ist klar: Daumen hoch für den Safer Internet-Tag!



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