Mit dem Roboter Mülltrennung lernen

Eine Reportage aus der Volksschule Rötzergasse im 17. Bezirk, wo ein Roboter im Unterricht zum Thema Mülltrennung zum Einsatz kam.

Reportage
Gemeinsam mit dem Roboter Dash beschäftigten sich die Kinder in der Volksschule Rötzergasse mit dem Thema Mülltrennung.

In der Klasse 3b der Volksschule Rötzergasse in Wien-Hernals steht Mülltrennung am Programm. Unterteilt in Gruppen zu je vier Kindern wird das Thema heute an unterschiedlichen Stationen behandelt. Während der Großteil der Kinder gemeinsam mit einer Lehrerin an Stationen im Klassenraum arbeitet, betritt eine Gruppe den Medienraum. Dort warten Klassenlehrerin Maria Mechtler, BKS-Lehrerin Jasna Marinkovic und Türkisch-Lehrer Murat Saygin bereits. Als die SchülerInnen das bereit liegende Tablet und den Roboter Dash erblicken, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Doch bevor der kleine Dash zum Einsatz kommt, werden noch Sprachübungen gemacht.

Neue Medien motivieren

Ein großer Teil der Kinder an der Volksschule Rötzergasse ist mehrsprachig. Neben Deutsch werden an der Schule insgesamt etwa 30 verschiedene Sprachen gesprochen. Sprache ist daher ein zentrales Thema im Schulalltag, erzählt Direktorin Gerlinde Holzinger: „Gerade die Kinder, die schon in der zweiten oder dritten Generation da sind, haben oft Schwierigkeiten in der Sprache und sind oft schwer zu motivieren, weil sie der Meinung sind, dass sie eh schon so gut sprechen.“ Doch z.B. mit neuen Medien könne man eben solche Kinder meist sehr schnell für Dinge begeistern, setzt Gerlinde Holzinger fort: „Die Kinder sind einfach mit neuen Medien vertraut. Das heißt nicht, dass wir z.B. Bücher ablehnen – das hat genauso einen großen Stellenwert. Aber ich kann neue Medien nicht einfach ausklammern.“ Immerhin besitzen die Kinder erfahrungsgemäß zumeist schon im Volksschul-Alter Smartphones, erklärt sie weiter. Zugleich herrsche oft die Diskrepanz, dass Kinder der dritten und vierten Schulstufe zwar nicht alleine in die Schule gehen dürfen (aus Angst, dass ihnen etwas zustoßen könne), sie aber zuhause auf der Playstation schon längst Spiele spielen, die aufgrund von Gewaltdarstellungen oder vulgärer Sprache erst ab 18 Jahren freigegeben sind.

Innerhalb der vierköpfigen Kindergruppe im Medienraum wird neben Deutsch auch Türkisch und Kroatisch gesprochen. Zu aufliegenden Kärtchen mit den deutschen Fachbegriffen, wie z.B. Restmüll, Müllabfuhr oder Recycling, müssen die Kinder daher nun die Pendants auf Türkisch und Kroatisch finden. Murat Saygin und Jasna Marinkovic helfen dabei. Nach wenigen Minuten ist die Übung erfolgreich absolviert.

Nun kommt der Roboter Dash zum Einsatz. Die LehrerInnen legen Kärtchen mit den Aufschriften „Richtig“ und „Falsch“ am Boden auf, auf einem Smartphone wird ein Countdown eingestellt. Die Kinder positionieren den Roboter und nehmen das Tablet. Maria Mechtler liest die erste Behauptung zum Thema Mülltrennung vor, Murat Saygin und Jasna Marinkovic wiederholen den Satz jeweils auf Türkisch und Kroatisch: „Alte Medikamente schüttet man ins WC.“ „Das ist falsch! Das ist falsch!“, rufen die Kinder einander aufgeregt zu und lenken den Roboter mittels Tablet zum Falsch-Kärtchen. Korrekte Antwort, ein Punkt. Das Tablet wird an das nächste Kind weitergegeben, die nächste Behauptung wird vorgelesen. Nach vier Minuten läutet das Smartphone, die Zeit ist um – fünf Punkte konnte die Gruppe erzielen, nur einmal lagen die Kinder falsch. 

Fachsprache trifft Erstsprache

„Da geht’s darum, dass sie die Begriffe auch in ihrer Erstsprache lernen, denn diese Fachsprache ist auch da oft nicht bekannt“, erklärt Direktorin Gerlinde Holzinger. An der Volksschule Rötzergasse wird jedoch nicht nur mit Tablets und Roboter gearbeitet. Im Rahmen eines Erasmus+ Projekts kooperieren sie zurzeit online mit einer Volksschule aus Rovinj. Auch mit Stop Motion-Filmen konnte man bereits tolle Erfolge erzielen. So wurde z.B. der Film 'Geisterjagd' im Herbst mit einem media literacy award ausgezeichnet. „Wir haben Programme, wo die KollegInnen mit Filmen sehr gute Erfolge haben. Es ist einfach sehr viel Kommunikation rund um einen Film notwendig“, schildert die Direktorin. Die nötige Ausstattung, wie z.B. Laptop und Kamera, hat sich die Schule nach und nach angeschafft. Dank des Mobile Learning-Projekts des Bildungsministeriums hat die Schule zurzeit 20 Tablets als Leihgabe.

Den Roboter Müll sortieren lassen

Die nächste Gruppe betritt den Medienraum. Nach einer kurzen Einführung und fachsprachlichen Übungen auf Deutsch, Türkisch und Kroatisch soll Müll mit dem Dash-Roboter sortiert werden. Unterschiedliche, beschriftete Miniatur-Mülltonnen werden am Boden aufgestellt, der Countdown wird gestartet. Das erste Exemplar: Ein leerer Eierkarton. „Fahr zum Altpapier, die mit dem roten Deckel!“, weisen die Kinder einander an. Rasch steuert der Schüler am Tablet den Roboter zur roten Tonne. Korrekt – das nächste Objekt: Eine leere Saftpackung. Die Kinder grübeln und besprechen sich, während die nächste Schülerin zum Tablet greift.

Währenddessen wird auch im Klassenraum zum Thema Mülltrennung gearbeitet, unter anderem mit verschiedenen Learning Apps auf Tablets, die Murat Saygin einige Tage zuvor entsprechend vorbereitet hat: Einige SchülerInnen lösen ein Quiz, andere setzen ein Puzzle zusammen oder schauen kurze Lernvideos zum Thema Mülltrennung an. Natürlich bedarf so etwas entsprechende Vorbereitungszeit, doch die ist es Murat Saygin wert: „Die Kinder mögen die Tablets sehr und fragen auch oft, wann wir sie wieder verwenden.“ Jasna Marinkovic nickt und fügt hinzu: „Und sie merken sich’s dann auch besser, es bleibt in Erinnerung.“ 

Direktorin Gerlinde Holzinger ist sich der Herausforderung für die Lehrkräfte bewusst. Unterrichtseinheiten wie diese fordern viel Engagement: „Ich muss mich als LehrerIn damit sehr intensiv auseinander setzen, um es im Unterricht gut einsetzen zu können. Das ist ein großer Zeitfaktor, aber oft auch eine persönliche Hemmschwelle, die man einmal überwinden muss.“ Gute, praxisbezogene Fortbildung hält sie daher für besonders wichtig. Sie empfiehlt, sich zu Beginn langsam vorzutasten: „Zum Beispiel kleine Filme aufnehmen – das geht auch mit dem Handy oder der Digitalkamera, wir haben auch so angefangen. Und wenn die KollegInnen den Mehrwert und die Begeisterung der Kinder spüren, geht’s eh weiter.“