Mit Medienbildung gegen Hass und Lügen im Netz

„Wie umgehen mit Hass im Netz? – Medienbildung für Jugendliche“: Im Rahmen des Projekts MEET wurde zur Diskussion geladen.

MEET-Projektbeteiligte mit den Referentinnen: Benjamin Opratko, Katja Friedrich, Birgit Sauer, Irina Scheitz und Ingrid Brodnig.

Unter dem Titel "Wie umgehen mit Hass im Netz?" wurde im Festsaal der PH Wien zur Diskussionsveranstaltung geladen. Verantwortlich dafür zeichnete das Projekt MEET. Dessen Ziel ist es, ein kritisches, interkulturelles Bewusstsein und eine aufgeklärte Art der Mediennutzung zu fördern. Auch Themen wie Hass im Netz, Cybermobbing und Fake News gehören unweigerlich dazu, wie die Verantwortlichen in ihren Begrüßungsworten festhielten. Daher wurden die Expertinnen Ingrid Brodnig und Katja Friedrich für Vorträge und eine anschließende Diskussion eingeladen.

Unfreundliches Verhalten wird belohnt

„Jeder im Internet, jeder der sichtbar wird, muss damit rechnen, Hass oder zumindest Gemeinheiten abzubekommen“, erklärte die Autorin und Journalistin Ingrid Brodnig zu Beginn ihres Vortrags. Gewisse Gruppierungen hätten jedoch ein höheres Gefahrenpotential, so z.B. Frauen, Feministinnen, offen geoutete Homosexuelle oder Menschen anderer Herkunft. Jugendliche können sowohl Opfer, als auch Akteure sein – und dabei herrsche oft eine sehr verrohte Sprache vor. Doch hasserfüllte Worte zu tippen ist weit leichter, als sie von Angesicht zu Angesicht auszusprechen. Dafür nannte Ingrid Brodnig mehrere Gründe, die John Suler in einer These nannte: Das Internet bietet die Möglichkeit zur Anonymität. Nicht nur, dass Nutzer selbst anonymisiert auftreten können, auch die persönliche Ebene und das nonverbale Feedback des Gegenübers fehlen und erleichtern somit das Posten unfreundlicher oder sogar hasserfüllter Kommentare enorm. Außerdem: „Rüpel haben oft die besseren Werte. Es ist viel effizienter, sich sehr unfreundlich im Netz aufzuführen – es ist viel effizienter, richtig herum zu pöbeln“, schilderte Ingrid Brodnig. Immerhin werde Erfolg heutzutage oft in Form von Klicks, Likes und Shares gemessen und diese seien bei Postings mit Beleidigungen oder Schimpfworten zumeist deutlich höher. Beispielsweise auf Facebook sorgt der zugrunde liegende Algorithmus dann zusätzlich dafür, dass Postings mit vielen Likes, Shares und Kommentaren noch mehr Usern angezeigt werden. „Das heißt also, dass Wut zuerst Menschen zum Klicken bringt und die Software dann so designt ist, dass sie das belohnt“, fasste Ingrid Brodnig zusammen.

Falschmeldungen fördern Hass im Netz

Doch auch Falschmeldungen sind ein Teil des Problems. Speziell einschlägige Gruppen oder Seiten tragen in sozialen Medien oftmals dazu bei, diese zu verbreiten. Brodnig erläuterte dies am Beispiel einer Falschmeldung über einen angeblichen Bürgerkrieg in Schweden, der aufgrund der hohen Anzahl an Flüchtlingen eingetreten sei. Derartige Meldungen werden nur zu gerne auf unseriösen Webseiten verbreitet und in sozialen Medien eifrig geteilt. Werden solche Beiträge jedoch mit Suchmaschinen und anhand etwaiger Quellen-Angaben zurück verfolgt, lässt sich meist schnell feststellen, dass ein und derselbe Text auf mehreren, unterschiedlichen Plattformen dargestellt wird. So war die ursprüngliche Quelle des Bürgerkrieg-Beispiels ein Bericht eines russischen Onlinemediums: Dieses hatte über die Anzahl von Brandanschlägen auf Flüchtlingsheimen in Schweden berichtet, die leider gestiegen sei. Doch einzelne Passagen des Texts sowie auch das Foto wurden kopiert, abgeändert und in völlig falschen Kontext gesetzt.

Quellenkritik, Faktencheck und Diskussion

Was also tun, um all dem vorzubeugen? "Setzen Sie dort an, wo Ihre Jugendlichen sind", schlägt Ingrid Brodnig vor, aktiv zu fragen, welche sozialen Netzwerke genutzt werden und welchen Seiten und Personen die Jugendlichen dort folgen. "Dann können Sie schauen, was das für Seiten sind. Und ehrlichgesagt, wenn sie mit Jugendlichen Kontakt haben, ist da schnell mal eine Quelle dabei, die so ein bisschen Magenweh macht." Auch Boulevard-Medien seien ein Teil des Problems, hielt Brodnig fest und nannte einen Bericht über ein frei erfundenes "Nikolo-Verbot" als Beispiel. Ein weiterer Tipp lautet daher, gemeinsam Quellenkritik zu üben und ebensolche Texte gemeinsam mit den SchülerInnen kritisch durchzugehen. Beispiele dazu finden sich zu genüge auf der Faktenchecker-Webseite mimikama.at. "Diskutieren Sie auch, wo Grenzen sind", so ein weiterer Rat. Einen guten Einstieg liefern oft Videos von bekannten Youtubern, die das Thema Cybermobbing behandeln und die entsprechenden Kommentare darunter. Auch die nötige Portion Humor kann oft helfen, um Jugendliche zu erreichen, meint Brodnig und fasste abschließend zusammen: "Es gibt nicht die eine Wunderwaffe im Unterricht, aber es gibt ein ganzes Instrument an Möglichkeiten, die sie haben – und ich kann den Tipp geben: Nutzen Sie dieses Instrument stärker."

„Werkzeugkasten“ für PädagogInnen

Katja Friedrich, Geschäftsführerin von medien+bildung.com, stellte neben diversen Organisationen und Webseiten, die kostenfrei medienpädagogische Unterrichtsmaterialien anbieten, auch das Projekt MEET näher vor: Die Abkürzung MEET steht für „Media Education for Equity and Tolerance“, zu Deutsch also „Medienbildung für Gerechtigkeit und Toleranz“. Ziel des internationalen Projekts ist es, ein kritisches, interkulturelles Bewusstsein sowie eine aufgeklärte Art der Mediennutzung zu fördern. Zu den Projektpartnern zählen unter anderem die Universität Wien, die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft, klicksafe und jugenschutz.net sowie medien+bildung.com. Im Rahmen des Projekts wurden sechs Lernszenarien an Schulen in Italien, Deutschland und Slowenien getestet. Der daraus entstandene „Werkzeugkasten für Lehrkräfte und PädagogInnen“ soll spätestens im Laufe des Herbsts online als Open Educational Resources zur Verfügung gestellt werden. 



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