Roboter programmieren: "Kinderleicht!"

Die Kinder der Volksschule und des Kindergartens Prandaugasse 5 konnten in DaVinciLab-Schnupperworkshops Roboter programmieren.

Reportage
In der Volksschule Prandaugasse 5 wurde mit Lego WeDo-Robotern gearbeitet.

9 Uhr vormittags in der Volksschule Prandaugasse 5 im 22. Bezirk. Es läutet, die Kinder der Klasse 3d bilden einen großen Kreis. Peter Gawin und Sophie Alber vom DaVinciLab stellen sich vor. Sie halten hier heute einen Schnupperworkshop, in welchem die Kinder Lego WeDo-Roboter programmieren sollen.

Auto-Roboter in der Volksschule

Gemeinsam wird besprochen, was so ein Auto braucht, um fahren zu können. Schnell steht fest: Ein solches Lego-Roboter-Auto braucht nicht nur Strom und einen Motor, sondern man muss ihm auch sagen, was es tun und wohin es fahren muss. Peter Gawin erklärt mithilfe der mitgebrachten Tablets kurz die Lego WeDo-App, mit der die Auto-Roboter programmiert werden können. Unterdessen verteilt Sophie Alber Matten am Boden, die heute die Fahrbahn für die Auto-Roboter bilden. Die erste Aufgabe: Das Auto soll vom Start-Feld der Matte bis ins Ziel-Feld fahren. Wurde das geschafft, soll das Auto als nächstes automatisch erkennen, wann ein Hindernis im Weg ist. Als Peter Gawin vorführt, wie das Auto kurz vor einem Hindernis automatisch stoppt, geht ein Raunen durch die Menge und die Kinder applaudieren begeistert.

Aufgaben und kreative Eigeninitiative

In Paaren aufgeteilt beginnen die Kinder mit den Tablets und Robotern zu arbeiten. Die Kinder tüfteln eifrig an den Aufgaben und schon nach kürzester Zeit fahren die ersten Autos vorwärts. Einige entwickeln eigene, kreative Programme oder lassen die Autos gegeneinander im Wettrennen antreten. Peter Gawin, Sophie Alber und Klassenlehrerin Sabine Magyar helfen bei Fragen und Schwierigkeiten. Kurze Zeit später unterbricht Peter Gawin: "Wollt ihr denn mal herzeigen, was eure Autos schon können?" Zwei Mädchen zeigen, wie ihr Auto-Roboter mittels Handzeichen startet und stoppt und dabei Musik macht. Die MitschülerInnen staunen, die beiden Mädchen erklären wie sie das programmiert haben. Kurz darauf geht's mit den nächsten Aufgabenstellungen weiter: Das Auto soll automatisch vor- und zurückfahren und im nächsten Schritt dabei auch Hindernisse erkennen. Wer beides schon geschafft hat, kann versuchen, den Auto-Roboter bei einem eingezeichneten E-Tankstellen-Symbol auf der Matte stehen bleiben zu lassen.

"Uns ist es wichtig, digitale Medien ergänzend einzusetzen, z.B. als Informationsquelle. Aber es soll ergänzend und nicht statt einem Buch oder Lexikon verwendet werden", erklärt Regina Neumayer, Direktorin der Volksschule Prandaugasse 5. Dabei sollen jedoch auch der bewusste Umgang mit digitalen Medien und die möglichen Risiken vermittelt werden. Daher versucht man sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten, erklärt Regina Neumayer.

Medienkompetenzen im Kindergarten

Während sich die Kinder in der 3d wieder an die Arbeit machen, macht sich Sophie Alber auf in den Wiener Kinderfreunde-Kindergarten, der im Erdgeschoss des Schulgebäudes untergebracht ist. Die älteren Kindergartenkinder sollen heute mit dem Cubetto-Roboter arbeiten. Dieser wird, anders als z.B. die Lego WeDo-Roboter, nicht mit einem Tablet, sondern mithilfe von einem elektronischen Holzbrett und Pfeil-förmigen Steinchen gesteuert. Erst kürzlich hat der Kindergarten selbst Cubetto-Roboter angeschafft. Da die PädagogInnen die Roboter in Kürze auch selbst einsetzen wollen, beobachten Kindergartenleiterin Julia Reininger und ihr Team gespannt die Situation und machen sich Notizen.

"Die Medienkompetenzen im Kindergarten sollen sich an der Lebens- und Erfahrungswelt der Kinder orientieren. Durch den Cubetto-Roboter wird den Kindern die Möglichkeit geboten Medienerlebnisse zu verarbeiten und praktische Erfahrungen im Umgang mit Medien zu machen, welche ihrem Entwicklungsstand entsprechen", erklärt Julia Reininger. Mithilfe der PädagogInnen verwenden die Kinder im Kindergartenalltag verschiedene technische Geräte, wie Computer, Digitalkamera oder CD-Player. Da man dabei großes Interesse der Kinder beobachtet habe "ist es uns ein Anliegen, ihnen den richtigen Umgang und die verschiedensten Einsatzmöglichkeiten von Medien näher zu bringen", so die Kindergartenleiterin. Außerdem ermögliche man den Kindern durch den Einsatz des Roboters nicht nur das spielerische Lösen verschiedener Aufgabenstellungen, sondern fördere so auch die Links-Rechts-Unterscheidung, die Konzentration und die Raumorientierung.

Die ersten sieben Kinder betreten den Raum. Sie nehmen rund um die Matte Platz, auf der sich der Cubetto-Roboter später bewegen wird. Sophie Alber stellt sich und ihren Gast vor: "Das ist der Cubetto. Der Cubetto ist ein Roboter und diese Matte ist die Welt, in der Cubetto lebt." Ein roter Pfeil am Roboter zeigt nach rechts, ein gelber Pfeil nach links. Die Kinder erhalten nun Sticker und kleben sich jeweils einen roten Pfeil auf die rechte und einen gelben Pfeil auf die linke Hand.

Nun folgt die Aufgabenstellung: Cubetto möchte einen Obstsalat machen, hat aber keine Früchte. Daher braucht er die Hilfe der Kinder, erklärt Sophie Alber. Sie zeigt laminierte Bilder, auf denen verschiedene Früchte zu sehen sind. Die Kinder benennen Frucht und Farbe und verteilen die Bilder auf der Matte. Nun wird Schritt für Schritt erklärt, wie man den Cubetto-Roboter steuern kann. Danach geht’s los: Ein Kind nach dem anderen sagt die Bewegungen an, die der Roboter Schritt für Schritt machen muss, um die nächstgelegene Frucht zu erreichen. Nach insgesamt etwa 20 Minuten sind alle Kärtchen eingesammelt und die Kinder verabschieden sich.

Fazit: "Kinderleicht!"

Unterdessen beginnt eine weitere Lego WeDo-Doppelstunde in der Klasse 2c. Nach einer einführenden Erklärung und Demonstration, sollen die Kinder, aufgeteilt in Paaren, den Auto-Roboter vom Start- ins Ziel-Feld der Matte fahren lassen. Wer das geschafft hat, soll versuchen, das Auto auch automatisch zurückfahren zu lassen. Peter Gawin und Klassenlehrer Thomas Baldasti helfen bei Fragen und Unklarheiten. Mit Begeisterung arbeiten die Kinder an den Programmen. Einige entdecken auch zusätzliche Möglichkeiten, wie z.B. Geräusche hinzuzufügen. Nach einiger Zeit bittet Peter Gawin um Aufmerksamkeit: Zwei Burschen zeigen und erklären, wie sie's geschafft haben, dass ihr Auto selbstständig vom Start- zum Ziel-Feld und wieder zurückfährt. Die nächste Aufgabe: Die Auto-Roboter sollen Hindernisse erkennen. Wer will darf auch experimentieren und versuchen, das Auto beim eingezeichneten Fußgängerübergang stehen bleiben zu lassen.

Eine halbe Stunde vor Schluss erhalten die Kinder Arbeitsblätter. Anhand verschiedener Fragen sollen sie damit festhalten, was sie gerade programmiert und gelernt haben. Gegen Ende der Doppelstunde ist Zeit für Feedback: "Wie hats euch gefallen?", will Peter Gawin wissen und bittet um Handzeichen. Das Ergebnis: Alle Daumen zeigen nach oben. Sowohl die Aufgaben, als auch das selbstständige Experimentieren kam bei den Kindern gut an, wie sie erklären. Außerdem haben sie so einiges gelernt: "Dass es gar nicht so leicht ist etwas zu programmieren und man Geduld braucht", meint ein Mädchen. "Dass man so etwas mit einem Tablet steuern und so einen Roboter programmieren kann", meint ein Junge. "Dass es schwer ist elektronische Geräte zu programmieren", meint ein Mädchen. "Schwer?", fragt Peter Gawin und setzt fort: "Einen Roboter programmieren können nicht einmal manche Erwachsene und ihr seid 8 Jahre alt und habt geschafft, dass die Roboter das machen, was ihr wolltet. Also findet ihr so etwas schwer?". Die Kinder grinsen stolz und sind sich einig: "Nein!".



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