Der Schmetterling, der mit dem Fuß aufstampfte

Der Autor des Dschungelbuchs liefert besonders kreative Erklärungen darüber, wie die Welt, die Tiere und die Menschen entstanden sind.
02.11.2017

Autor und Illustratorin:
Rudyard Kipling & Kathrin Schärer

Aus dem Englischen:
Andreas Nohl

Herausgegeben:
München: Hanser 2016

Seitenanzahl:
224 Seiten

Preis:
ca. € 18,50.-

Alter:
Für den gesamten Grundschulbereich

Themen:
Klassiker | Tiergeschichte | Vorlesen | Ätiologie

Seit mehr als 100 Jahren wissen wir, dass der Höcker des Kamels auf seine unendliche Faulheit zurückzuführen ist und der Rüssel vom Elefanten auf die unersätzliche Neugier eines Elefantenjungen.

1902 nämlich hat Rudyard Kipling das in seinen "Just So Stories" seiner Tochter Effie erzählt. Zusammen mit 12 anderen Ätiologien sind diese beiden nun in neuer Übersetzung zu lesen.

Andreas Nohl hat sich an einen der berühmtesten Autoren der klassischen englischen Moderne gesetzt und nach "Kim" und den "Dschungelbüchern" diese "Warum-Geschichten" ins Deutsche übertragen. Wer mag, kann diese Fassung vergleichen mit der von Gisbert Haefs von 1994 ("Genau-So-Geschichten") oder jener von Irmela Brender aus 1987, die unter dem Titel "Geschichten für den allerliebsten Liebling" im kinder- und jugendliterarischen Bereich lange Geltung hatte, mittlerweile aber vergriffen ist.

Neben einem Interesse an dieser Art literaturhistorischen bzw. übersetzungstheoretischen Fragestellungen sind diese Geschichten schon von ihrer narrativen Anlage her naturgemäß für VorleserInnen außerordentlich brauchbar. Dazu kommt, dass für diese Ausgabe die Schweizer Künstlerin Kathrin Schärer, eine der großen Tierfiguren-Zeichnerinnen, die Illustrationen besorgt hat. Was für ein Schauerlebnis. Wie immer arbeitet sie mit Witz einerseits und mit unterschiedlichen Inszenierungen - Perspektive, Anschnitt, Einstellungsgröße - andererseits. Und wenn man das lässige Kamel von Kathrin Schärer sieht, spürt man intuitiv, dass Faulheit schon einen ziemlichen Wert hat (wodurch allerdings die moralische Botschaft des Textes eher unterlaufen wird).


Text und Empfehlung: Institut für Jugendliteratur