Dysseus

Rasante und sprachlich schräge Transformation der Irrfahrt des Odysseus in die Abenteuer einer sehr heutigen Bubenbande, die den falschen Bus nimmt ...

Autor & Illustrator:
Simon van der Geest & Jan Jutte

Aus dem Niederländischen:
Rolf Erdorf

Herausgegeben:
Thienemann 2017

Seitenanzahl:
128 Seiten

Preis:
ca. € 13,40.-

Alter:
ab 10 Jahren

Themen:
Odysseus | Bubenbande | Abenteuer | Versroman

Goldenen Griffel 2011 (Orginalausgabe)

Dysseus ist ein Feigling, das wird schon im Prolog klar: Unter der Überschrift "Krieg" wird seine Clique im Freibad von älteren Buben attackiert.:
"Wir raus mit Schwung zum nächsten Sprung / als Michael sie sah und zischte: "Da!" / Die Jungs mit den Goldkettchen und ein paar / mit Achselhaar (…) Kurz darauf war wieder Krieg / Rempeln, rutschen, Arschbomben, schubsen, / untertauchen, prusten, hauen, blaue Flecken, …"

Statt mitzukämpfen verkriecht sich Dysseus auf dem Klo. Nach der Auseinandersetzung wollen die Freunde nach Hause, nehmen aber den falschen Bus und verirren sich. Dysseus, der endlich einmal Held sein will, stellt sich an die Spitze der Truppe und verspricht, sie nach Hause zu bringen. Davor gilt es, im Kampf gegen einen riesigen einäugigen Bauern zu bestehen, an Kirke, die einer Schulkollegin täuschend ähnlich sieht, vorbeizukommen und an Skylla und Charybdis
Als alle Gefahren überwunden sind und die Bande nach Hause findet, wird Dysseus erwartungsgemäß nicht so aufgenommen, wie er sich das vorgestellt hat …

Der junge niederländische Autor Simon van der Geest, von der Kritik bereits für "Krasshüpfer" gelobt und für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, hat für die originale Fassung dieses Buchs den Goldenen Griffel erhalten, die höchste Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur in den Niederlanden.

Dass die Verlegung der Odyssee in die Gegenwart - mit einer Gruppe pubertierender Buben in der Hauptrolle - auch in der deutschen Ausgabe geradezu großartig ist, liegt zentral auch am Übersetzer Rolf Erdorf, der den rotzig rhythmischen Text ins Deutsche gebracht hat.

Dazu kommen die Illustrationen von Jan Jutte, der die heutigen Jungs mit nur einer Farbe durch die Abenteuer ziehen lässt wie auf einer Bühne, die Herkunft des großen Stoffes aber mit zeichenhaften Versatzstücken markiert.

Am Ende dieser Entwicklungsgeschichte - sei sie nun ein Wunschtraum Dysseus' oder Wirklichkeit - steht ein Junge, der gewachsen ist und selbstbewusst sagen kann: "So laufe ich weiter / Schritt für Schritt / Allein, doch nie allein / Und niemand, der mich Niemand nennt / oder einen Knilch / Dysseus heiße ich / das ist mein Name / habt ihr das endlich gefressen?"

Tipp: Laut Lesen!


Text und Empfehlung: Institut für Jugendliteratur