Fußnoten

In einem graphischem Essay erzählt die Illustratorin im Rahmen einer S-Bahnfahrt über ihr Leben, die Geschichte ihrer Familie in Argentinien und die politische Gegenwart in Deutschland.

Autor:
Nacha Vollenweider

Herausgegeben:
avant Verlag 2017

Seitenanzahl:
208 Seiten

Preis:
€ 20,60.-

Alter:
ab 14 Jahren

Themen:
Graphic Novel | Autobiographie | Identität | Argentinien | Zeitgeschichte

Finalist beim Förderpreis der Berthold Leidinger Stiftung

Eine knappe halbe Stunde dauert die Fahrt mit der S-Bahn von einem Vorort Hamburgs ins Zentrum. Diese halbe Stunde ist der erzählerische Rahmen, den die argentinische Illustratorin Nacha Vollenweider, die 2013 für ein Gastsemester an die HAW (Hochschule für Angewandte Wissenschaften) nach Hamburg gekommen und geblieben ist, ihrer autobiographischen Abschlussarbeit gibt:

Eine junge Frau steigt in die S-Bahn, hört Musik, sieht aus dem Fenster, spricht mit ihrer Partnerin, die neben ihr sitzt, und verlässt am Ende den Zug am Hamburger Hauptbahnhof. Während der Fahrt lässt sie ihren Gedanken freien Lauf und dokumentiert das in einer Art von "Fußnoten". In diesen dazwischengeschobenen Abschnitten erzählt die Hauptfigur episodenhaft aus ihrem eigenen Leben, von ihrer Familie in Argentinien während der Militärdiktatur, von ihrer Trauung auf einem Hamburger Standesamt, von einem gemeinsamen Urlaub mit ihrer Frau in Argentinien, von einer Demonstration vor einem Asylheim in Hamburg vor ein paar Tagen, von ihren Nachforschungen zur Geschichte ihres Urururgroßvaters Heinrich Vollenweiders, der als Verwalter der Schweizer Kolonien nach Argentinien ausgewandert ist.

Durch diese Erzählstruktur überlagern sich die Gegenwart in Deutschland und die Vergangenheit in Argentinien, die Biographie der Erzählerin und historische und gegenwärtige politische Ereignisse. Dabei geht es in erster Linie nicht darum, die Militärdiktatur mit der Gegenwart zu vergleichen oder das Schicksal von Menschen, die vor 100 Jahren Europa aus wirtschaftlichen Gründen Richtung Argentinien verlassen haben, mit jenen, die in den letzten Jahren etwa aus Syrien oder Afrika nach Europa gekommen sind. Sondern um den Versuch, über Erfahrungen und Gefühle nachzudenken, sie in Beziehung zu setzen, über den Prozess des Erzählens zu klareren Gedanken zu kommen ...