NEU: Dieser wilde Ozean, den wir Liebe nennen

Simon sucht Paulus und trifft dabei auf Antonia, die um ihren Bruder trauert. Beide irren verloren durch ein Niemandsland – und finden im Gespräch ihre Richtung.

Autorin:
Elisabeth Steinkellner

Herausgegeben:
Beltz & Gelberg 2018

Seitenanzahl:
236 Seiten

Preis:
ca. € 14,40.-

Alter:
ab 14 Jahren

Themen:
Adoleszenz | Liebe | Coming Out | Freundschaft

In den Semesterferien reist Simon in die Stadt, in der Paulus lebt. Der junge Mann, in den er sich ein halbes Jahr zuvor während einer Zugreise verliebt hat. Simon irrt auf der Suche nach Paulus orientierungslos herum. Im Kopf spielt er immer wieder mögliche Begegnungen und deren Verläufe durch. Am zweiten Tag trifft Simon auf Antonia, die ihn anspricht, weil er ihrem verschwundenen Bruder ähnlich sieht.

Die Autorin lässt in diesem Jugendroman zwei Figuren aufeinandertreffen, deren Leben aus der Bahn geraten ist. Der ruhige Simon ist schwul, hat aber nie irgendjemandem davon erzählt. Er weiß nicht, wie er mit seinen Sehnsüchten, seinen Begierden umgehen soll, wie er sein Leben leben soll, wie er an Zukunft denken kann, wenn eine so große Frage offen ist. Also muss er Paulus treffen und wissen, ob seine Gefühle stimmen.
In Antonias Leben stimmt jedenfalls nichts mehr: Die Familie droht am Verlust des Sohns bzw. Bruders kaputtzugehen, dem Freund kann sie sich nicht hingeben, wie eine Flipperkugel wird sie durchs Leben geschleudert. Im Gespräch finden sich die beiden, einander völlig fremd können sie einander alles anvertrauen.

Fünf Tage bleibt man ihnen auf der Spur, hört ihnen zu, wie sie abwechselnd erzählen. Der permanente Perspektivenwechsel, der einer eigentlich langsamen Dramaturgie Spannung gibt, ist nur kurz irritierend. Schnell findet man sich zurecht, weiß wem man gerade zuhört. Elisabeth Steinkellner ist auch Lyrikerin: Die Überschriften der Kapitel könnten als Gedicht lesen gelesen werden, die Sprache ist bilderreich, wirkt aber kaum einmal abgegriffen, die Bewegungen der Figuren im Handlungsraum mutet manchmal fast schwerelos an. Und weil die Autorin auch noch zu einem guten Ende findet, das weder kitschig noch unglaubwürdig ist, lässt man als LeserIn die beiden Figuren optimistisch ihrer Wege gehen.


Text und Empfehlung: Institut für Jugendliteratur