Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Soziogramm einer deutschen Kleinstadt, in der alle die Wahrheit nach Gutdünken verändern – und mittendrin Benedikt, der seit Jahren Unterschriften und Zeugnisse fälscht. Bis sein Lügengebäude nur noch mit den irrwitzigsten Aktionen aufrechtzuerhalten ist …

Autor:
Thomas Klupp

Herausgegeben:
Berlin Verlag 2018

Seitenanzahl:
256 Seiten

Preis:
ca. € 20,60.-

Alter:
ab 14 Jahren

Themen:
Schule | Familie | fake news | Zusammenleben in der Gemeinschaft

Jay Gatsby, die legendäre Figur von F. Scott Fitzgerald, ist für Benedikt ein Idol, Künstler und Gentleman. Diese Interpretation wird von der Englischlehrerin nicht geteilt: "Gentleman? Money comes from organized crime! Moral issues?"

Nun sind "moral issues" eine dehnbare Kategorie für den 16-jährigen Ich-Erzähler. Seit Jahren fälscht er Unterschriften und Zeugnisse, um bessere Noten vorzuspiegeln. Damit befindet er sich in guter Gesellschaft:
Im Mikrokosmos der Oberpfälzer Kleinstadt wird getarnt und getäuscht, wohin das Auge reicht; Seine Mutter hat sich eine neue Biografie gezimmert. Benedikt und seine Freunde, die selber ganz gerne kiffen, promoten als Vertreter der Schultennismannschaft eine Anti-Drogenkampagne der Stadt, die Plakate sind mit Photoshop bearbeitet. Auf Facebook sind frisierte Profilbilder eher die Regel als die Ausnahme.

Benedikts Betrügereien sind jedoch keine Akte des Bösen, sondern hilflos anmutende Reaktionen auf nicht in seiner Macht liegende Ereignisse - außer Lügen fällt ihm nichts ein. So ist dieser Protagonist trotz fragwürdiger Moral ein Sympathieträger, dem man wünscht, nicht aufzufliegen.

Klupp, der mit "Paradiso" 2009 fulminant debütierte, baut in diesem Roman "eine Welt, in der fast alle auf ihre Weise blenden, fälschen und faken: von den Eltern über andere Freunde bis hin zur Schulleiterin." Und schreibt darüber mit viel Humor, Witz und Pointenreichtum, ohne die Figuren zu verblödeln. Ein entspannter Zugang zu einem sehr aktuellen Thema.

Leseprobe


Text und Empfehlung: Institut für Jugendliteratur