Univ. Prof. Dr. Christian Swertz, MA:

"Digitale Grundbildung als verbindliche Übung ist international einzigartig - insbesondere die Ausgestaltung des Faches, bei der es gelungen ist, das anwendungsorientierte Konzept der EU – Kommission, also DigiKomp, mit fachliche fundierten Inhalten aus der Fachdidaktik Informatik und bildungstheoretisch fundierten Inhalten aus der Medienkompetenzvermittlung zu verbinden."

Swertz, Christian (2018): Medienbildung und Digitale Grundbildung. In:
Fachtagung Medienbildung 2018, Wien: Österreich, 17.10.2018.


Verbindliche Übung "Digitale Grundbildung"

Ab dem Schuljahr 2018/19 gilt der verordnete Lehrplan zur Verbindlichen Übung "Digitale Grundbildung" an Neuen Mittelschulen und AHS-Unterstufen. Es ist die autonome Entscheidung der Schulen, diese in speziellen Stunden oder integriert in anderen Fächern umzusetzen. Die Verbindliche Übung "Digitale Grundbildung" wird mit „Bestanden“ oder „Nicht bestanden“ beurteilt.

Kompetenzbereiche

Das Ziel ist, den Schülerinnen und Schülern einen informierten, sicheren, verantwortungsvollen und reflektierten Umgang von Medien und Technik zu vermitteln.
Folgende Kompetenzen sollen erworben und erweitert werden.

  • Digitale Kompetenz: Unter dem Erwerb von „Digitalen Kompetenzen“ wird die Auswahl und Anwendung passender Werkzeuge und Methoden verstanden. Die Vermittlung von Hard- so wie Software-Kenntnissen bilden Basis für die Ermöglichung des Erwerbs und der Erweiterung Digitaler Kompetenzen.
  • Medienkompetenz: Unter dem Erwerb und der Erweiterung der „Medienkompetenz“ soll die Mediennutzung und Mediensprache, Medieninhalte verstanden und reflektiert werden. Kritisches und kreatives Denken sind dabei gefragt.
  • Politische Kompetenz: Durch den Erwerb und die Erweiterung von „Politischen Kompetenzen“ wird ein besseres Verständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit ermöglicht.

In diesem Kontext sollen die Möglichkeiten, aber auch die Risiken und Gefahren von Medien erkannt werden. Alle dafür notwendigen Kompetenzen zu vermitteln, zählt zum Aufgabenbereich der Schule.

Bildungsbereiche

Die unterschiedlichen Kompetenzen lassen sich auf folgende Bildungsbereiche umlegen:

Sprache und Kommunikation | Mensch und Gesellschaft | Natur und Technik | Kreativität und Gestaltung | Gesundheit und Bewegung

Didaktische Grundsätze sowie gleichberechtigte Zugänge für Schülerinnen und Schüler sind obligatorisch. Differenzierte Themen sollen altersadäquat und der Situation ausgewählt bzw. angepasst werden.

Einen kritischen, reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit eigenen und fremden Daten implementiert medienkompetentes Handeln. Handlungsorientierte Methoden sind in diesem Kontext auf jeden Fall zu begrüßen, Hands-on Taktik ist in diesem Themenbereich effektiver als theoretische Aufarbeitung.

Inhaltliche Schwerpunkte mit Praxis-Ideen

Inhaltliche Schwerpunkte mit Praxis-Ideen

Es wurden acht Bereiche formuliert, die jeweils einen Kernbereich, eine Vertiefung I und eine Vertiefung II beinhalten.

Hier die Liste der Kernbereiche mit Praxis-Ideen zu ausgewählten Themen.

Gesellschaftliche Aspekte von Medienwandel und Digitalisierung

Passend zu Digitalisierung im Alltag: Mein Medientagebuch sowie WhatsApp-Sprache reflektieren

Informations-, Daten- und Medienkompetenz

Passend zu Informationen suchen und finden: Suchmaschinen im Test

Passend zu Informationen vergleichen und bewerten: Faktencheck, So leicht geht Fake News und Fakten-Checker und Fake News-Aufdecker

Betriebssysteme und Standard-Anwendungen

Passend zu Präsentationssoftware: Erklär's mir mit Mysimpleshow, Pecha Kucha und Interaktiver (Advent) Kalender

Passend zu Textverarbeitung: Deutschunterricht am PC

Mediengestaltung

Passend zu digitale Medien rezipieren: Schönheitsideale und Stereotype, Werbung & Influencer auf YouTube und Werbung in verschiedenen Medien

Digitale Kommunikation und Social Media

Passend zu interagieren und kommunizieren: Wer war ich - wer bin ich heute und Peinliche Fotos

Sicherheit

Passend zu persönliche Daten und Privatsphäre schützen: Meine Daten gehören mir und Verschlüsseln, aber richtig

Technische Problemlösung

Passend zu technische Bedürfnisse und entsprechende Möglichkeiten identifizieren: Mit der Fliegenklatsche zu mehr Computerwissen

Passend zu digitale Geräte nutzen: Fotokameraperspektiven und ihre Wirkung

Computational Thinking

Passend zu mit Algorithmen arbeiten: Coding im Unterricht, Algorithmen zeichen, Einfaches Programmieren mit Leseauftragskarten und Schnitzeljagd 2.0

Passend zu kreative Nutzung von Programmiersprachen: Interaktive musikalische Weihnachtskarten programmieren, Coding für Einsteiger mit Lernroboter Dash und Vom Stephansdom zum Karlsplatz mit dem Blue-Bot


Fazit des Wiener Bildungsservers:

Entscheidet eine Schule, die Verbindliche Übung „Digitale Grundbildung“ als eigenes Unterrichtsfach anzubieten, bedarf es strategischen Überlegungen. Viele Punkte können inhaltlich nicht in einer Doppelstunde abgehandelt werden, um den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, die technischen Zusammenhänge zu verstehen und anwenden zu können. Die Gefahr ist dabei, dass eine Inhaltsreduktion vorgenommen wird und dadurch nicht der komplette Kernbereich umgesetzt werden kann. Ein weiteres Problem sieht der Wiener Bildungsserver dabei, dass sich nur Informatik-Lehrende zutrauen werden, die Bereiche abdecken zu können. Die Verbindliche Übung „Digitale Grundbildung“ ist kein Informatikunterricht.

Falls die Lehr- und Lerninhalte der Verbindlichen Übung „Digitale Grundbildung“ integrativ angeboten werden – was aus Sicht des Wiener Bildungsservers wünschenswert wäre – braucht es ein engagiertes und interdisziplinär gut zusammenarbeitendes Lehrerinnen/Lehrerteam und einen weiteren Ausbau entsprechender technischer Ressourcen an den Schulen.

Zur Umsetzung der Integration dieser Verbindlichen Übung bedarf es auch einer entsprechenden Qualifikation der Lehrenden. Hierbei sind nicht nur die Institutionen gefordert, die die Ausbildung der Pädagoginnen/Pädagogen und eine Lehrerinnen/Lehrerfort- und weiterbildung anbieten,sondern auch der Schulerhalter, um diese Qualifikation in einem noch größeren Ausmaß zu ermöglichen.