Lernen barrierefrei

Barrierefreie Apps - wie gemeinsames Lernen gefördert werden kann.
Sekundarstufe I
Primarstufe
Mathematik
Deutsch
Geschichte & Sozialkunde

Kerngebiete

  • Aspekte von Medienwandel und Digitalisierung
  • Informations-, Daten- und Medienkompetenz

Schlüsselkompetenzen

  • Digitale Kompetenz
  • Bürgerkompetenz
  • Mathematische & Naturwissenschaftliche Kompetenz
  • persönliche, soziale & Lernkompetenz

Ressourcen


Einführung

Durchführung
Bei der Behandlung des Themas Barrierefreiheit, sollte auf einen wertschätzenden Umgang geachtet werden. Vorerst werden allgemeine Diskussionsfragen behandelt. Je nachdem, welcher Aspekt der Barrierefreiheit durchgenommen wird, können verschiedene Module im Unterricht umgesetzt werden.

Einführung 
Plenum
Zu Beginn der Stunde sollten allgemeine Fragen gestellt werden, um den SchülerInnen einen Zugang zum Thema zu verschaffen.

·     Wie benutzen wir Apps?

·     Was braucht man dazu?

Dann kann darauf übergeleitet werden, in welchem Zusammenhang die Apps mit Barrierefreiheit stehen.

Mit folgenden Diskussionsfragen könnte dieser Einstieg erleichtert werden:

·     Was könnte Apps barrierefrei machen?

·     Wo liegen die Vorteile darin barrierefreie Tools zu benutzen?

·     Wie kann ein Miteinander durch barrierefreie Apps gefördert werden?


Modul A: Barrierefreiheit bei Sehbeeinträchtigung

Kleingruppe

Die SchülerInnen testen eine App für Menschen mit Sehbehinderung. Hierbei wird vor allem auf Vorlesefunktionen und Bilderkennung gesetzt. Hierfür eignet sich TapTapSee. Die App ist kostenfrei zugänglich und bietet Bilderkennung samt Sprachfunktion. Die SchülerInnen können ausprobieren, Objekte mit der App zu erkennen und Texte vorlesen zu lassen. Um die barrierefreie App noch intensiver zu testen, können manche SchülerInnen optional die Augen schließen und versuchen mit der App „blind“ Objekte zu erkennen oder Texte vorlesen zu lassen.

Modul B: Barrierefreiheit bei Hörbeeinträchtigung

Kleingruppe | Plenum

Dieses Modul eignet sich vor allem dann, wenn ein Kind in der Klasse von einer Hörbeeinträchtigung betroffen ist. Es wird interaktiv versucht, gemeinsam einzelne Wörter zu gebärden, um somit den Verständnisfluss in der Klasse aufrecht zu erhalten.
Hörbeeinträchtigungen können mit der App Spread the Sign behandelt werden. Diese funktioniert wie ein Wörterbuch, aber mit dem Unterschied, dass die eingegebenen Wörter nicht gesprochen, sondern eben gebärdet werden. Zur Vorbereitung teilt die Lehrkraft die SchülerInnen in ungefähr gleich große Gruppen ein und gibt ihnen eine Liste an Wörtern. Die Gruppen geben die Wörter in die App ein und versuchen, diese anhand des Videoinputs zu gebärden. Ist ein Schüler/ eine Schülerin in der Klasse, welche/r der Lautsprache mächtig ist, kann die oder derjenige das gebärdete Wort erraten und an die Tafel schreiben.
Letztlich wird gemeinsam kontrolliert, ob die Wörter an der Tafel mit den Wörtern auf der ursprünglichen Wortliste übereinstimmen. Sollte niemand in der Klasse sein, welche/r die Gebärdensprache beherrscht, kann die Idee so gestaltet werden, dass die SchülerInnen in der Gruppe jeweils 1-2 Wörter zugeteilt bekommen und diese jemand anderem vorgebärden.

Modul C: Barrierefreiheit bei körperlicher Beeinträchtigung

Kleingruppe | Plenum

Obwohl es heutzutage eine Vielfalt an barrierefreien Zugängen gibt, ist es wichtig, sich mit den Möglichkeiten genauer zu beschäftigen. Hierfür eignet sich Wheelmap. Das Tool ist sowohl als App, als auch im Browser verfügbar. Es handelt sich hierbei um eine Karte, welche anzeigt, ob Orte barrierefrei oder halb-barrierefrei zugänglich sind. Die SchülerInnen sollen sich nun einen Ort aussuchen und in  „Wheelmap“ nach diesem suchen. Danach gestalten die SchülerInnen eine Karte mit dem zuvor ausgesuchten Ort und zeichnen die barrierefreien Zugänge ein. Als Expertengruppen erzählen sie nun den anderen von ihrem Ort und den barrierefreien Möglichkeiten. Diese Übung könnte SchülerInnen helfen, dafür sensibilisiert zu werden, dass es als RollstuhlfahrerIn einige Dinge zu beachten gilt, bevor ein gewisser Standort ausgesucht wird.
Zusätzlich eignet sich das Format der App auch für schulische Aktionen, wie beispielsweise einen Ausflug. Die Lernenden stellen sich vor, in irgendeiner Form körperlich beeinträchtigt zu sein (z.B. gebrochener Fuß, Rollstuhl, etc.) und suchen sich dann bewusst einen Weg, welchen sie unter diesen Umständen auch meistern können. Die Zeichen und Beschriftungen des Ortes können genauer betrachtet und dann mit den Vorschlägen der App verglichen werden. 
Wheelmap kann natürlich auch rein als eine Art Ideenbasis verwendet werden, auf welcher dann, beispielsweise, ein barrierefreier Plan für die Schule gestaltet werden kann. Hierfür könnten die SchülerInnen in Gruppen verschiedene Stockewerke zugeteilt bekommen und jeweils festhalten, was dort für eine Barrierefreiheit zu beachten wäre. Die Aspekte und Möglichkeiten eines barrierefreien Zugangs sollten zuvor aber besprochen werden.

Modul D: Barrierefreiheit bei Beeinträchtigung der Rechenkompetenz

Kleingruppe

Auch unterschiedliche Arten von Lernkompetenzen können anhand von digitalen Medien besser verstanden werden. Hierfür eignet sich mathildr – eine Lernapp für Menschen, welche ursprünglich für die Wahrnehmung von Kindern mit Trisomie 21 (siehe Sachinformationen) konzipiert wurde, sich aber auch gut als Einstieg in die Mathematik (z.B. Primarstufe) oder für Rechenschwierigkeiten eignet. Eine Erklärung zu mathildr kann hier gefunden werden. Wird die App nicht als reine Unterstützung für einen mathematischen Einstieg verwendet, wo eine Analyse vorerst nicht nötig ist, kann besprochen werden, wieso die App Mengenverhältnisse in Zweierpaaren darstellt und was der Vorteil davon sein könnte. Hier ist es wichtig, die SchülerInnen nicht den Schweregrad der App beurteilen zu lassen, da hierbei das Risiko entsteht, dass SchülerInnen mit einer höheren mathematischen Begabung in eine vorurteilshafte Haltung verfallen, da die App für sie „zu leicht“ sein kann.

Modul E: Barrierefreiheit bei Autismusspektrumsstörung

Kleingruppe

Auch zum Thema Autismus-Spektrumsstörung kann ein inklusives Umfeld gefördert werden. Mit der App LetMeTalk ist es Menschen nämlich möglich, Bedürfnisse zu kommunizieren, ohne selbst sprechen zu müssen. Eine genaueren Überblick zu LetMeTalk kann im zugehörigen App-Test gefunden werden. Dies ist beispielsweise im Falle einer Überreizung sehr praktisch. Wichtig ist es hierbei, Autismus bereits im Unterricht angesprochen zu haben oder das Thema im Vorfeld zu behandeln. Die App bietet auch die Möglichkeit eigene Rubriken zu erstellen, was vor allem für den Unterricht relevant sein kann: SchülerInnen überlegen in Gruppen, welche Kategorien hilfreich sein könnten und erstellen somit eigene Bilder. Weiters, können die SchülerInnen für eine gewisse Zeit versuchen, rein mit der App zu kommunizieren. Dadurch erkennen die Lernenden sowohl die Schwierigkeiten, als auch die Vorteile einer Talker-App und werden gleichzeitig dafür sensibilisiert. Dies kann sich beispielsweise dann als wichtig erweisen, wenn die SchülerInnen auf einen Menschen treffen, der eine Talker-App verwendet.


Reflexion

Wie in dieser Projektidee bereits öfter angesprochen, ist es sehr wichtig, Vorurteile verschiedener Beeinträchtigungen aus dem Weg zu räumen und ein akzeptierendes Umfeld zu schaffen. Das Arbeiten mit den barrierefreien Apps soll lediglich dazu dienen, SchülerInnen anhand von verschiedenen Kategorien ein Verständnis für die Thematik zu vermitteln. Handelt es sich beispielsweise um eine integrative Klasse, kann dieses Verständnis zusätzlich für SchülerInnen mit Beeinträchtigung gefördert werden.
 


Weiterführende Ideen

Was könnten andere Apps tun?

SchülerInnen reflektieren gemeinsam, was ihnen bekannte Apps tun könnten, um barrierefrei zu werden, bzw. barrierefreie Aspekte zu beinhalten.

Inklusive Medien

SchülerInnen reflektieren, inwiefern Medien noch der Inklusion dienen können.

Eigene App gestalten

Basierend auf dem erworbenen Wissen, können SchülerInnen eine eigene Idee für eine barrierefreie App ausarbeiten. Hierfür können SchülerInnen darüber recherchieren, welche barrierefreien Apps es bereits gibt und analysieren, wo es Nachholbedarf gibt.  


Sachinformationen

Barrierefreie Apps
Prinzipiell zeichnet eine barrierefreie App eine leichte Bedienung für alle Menschen aus. Die Appgestaltung inkludiert also unter anderem eine hohe Fehlertoleranz, einfache Bedienung und schnell adaptierbare Aspekte, wie beispielsweise eine zu verändernde Schriftgröße, etc. Auch, wenn die Klasse keine reine Inklusionsklasse ist, wird es heutzutage immer wichtiger Themen, wie Barrierefreiheit anzusprechen. Somit wird ein Verständnis für die Thematik gefördert. Vor allem, wenn es sich um eine integrative Klasse handelt, ist die Arbeit mit digitalen Medien eine hilfreiche Unterstützung, da gedruckte Lernunterlagen für SchülerInnen oftmals überfordernd wirken, da keine Unterstützung der Vorlesefunktion oder haptische und motorische Aspekte vorhanden sind. Auch ist der inklusive Medieneinsatz ein gutes Mittel, um SchülerInnen in ihren variierenden Stärken zu unterstützen und Lernautonomie zu fördern. Dieses selbstbestimmte Lernen wird nicht nur im Umgang mit Apps oder technischen Mitteln gefördert, sondern vor allem auch in der Reflexion danach, in welcher sich Lernende untereinander austauschen können.
Übrigens: was Lernapps barrierefrei macht und wieso sie wichtig sind, kann im folgenden Interview nachgehört werden.

mathildr
Wie oben bereits erwähnt, wurde die App mathildr für Kinder mit Trisomie 21 entwickelt. Hierfür wurde an der Universität Hamburg eine Studien durchgeführt, anhand welcher erläutert wurde, welcher Zahlenbereich für Menschen mit Trisomie 21 am verständlichsten war. Ergebnisse zeigten, dass der Zweier-Bereich am leichtesten zu prozessieren ist. Basierend auf diesen Erkenntnissen, entwickelte Torben Rieckmann die App mathildr. Ziel ist es hierbei, Mengen anhand von bildlichen Darstellungen selbst nachstellen zu können. Diese abstrakte Mengendarstellung, ist für Kinder mit Lernbeeinträchtigungen von besonderer Wichtigkeit, da ein Verzicht auf Details (wie beispielsweise ein Überfluss an Zahlen) zu einer leichteren Verarbeitung der Mengenpaare beiträgt. Das mathildr-System wurde sogar mit dem Cornelsen-Zukunftspreis geehrt.  

Quellen: