Lernspiele

Man könnte glauben, dass Lernen und Spielen zwei vollkommen unterschiedliche Dinge sind und daher nicht zusammenpassen. Doch ganz im Gegenteil: Spielen kann einen sehr positiven Effekt auf den Lernprozess haben. Besonders Lernspiele beinhalten eine Kombination aus Spiel- und Lernelementen und sind daher oft sehr gut für den Unterricht geeignet.

Lernspiele

Lernspiele gehören zur Kategorie der Serious Games. Diese lassen sich als Spiele mit einem Sinn definieren (“Games with a purpose”), welcher im Falle der Lernspiele klarerweise einen bildenden Hintergrund hat. Lernspiele können in unterschiedlichsten Formen auftreten und für verschiedenste Bildungszwecke geeignet sein. Sie sind entweder fachspezifisch, sprich für Fächer, wie Englisch, Biologie oder Mathematik geeignet, oder können gesellschaftliche Themen kritisch beleuchten. Ein Beispiel für das Fach Biologie wäre Konrads Komposthaufen, wo Schüler:innen spielerisch Informationen über Müllverwertung erlernen. Ein gesellschaftskritisches Beispiel wäre das Serious Game vom EU-Projekt Decount, welches sich für Extremismus- und Rassismusprävention einsetzt. Lernspiele können in digitaler oder analoger Form auftreten, unterscheiden sich von der Definition her aber kaum. Nach Popp (1990) ist ein Lernspiel ein Spiel, das dem Erwerb bzw. der Einübung und Festigung von schulfachbezogenen Inhalten und Kompetenzen dient. Damit einher geht, dass die Lernziele des Spiels sowohl beschreibbar, als auch überprüfbar sein sollen. Lernspiele können im weiteren Sinne auch verschiedene Faktoren fördern, wie die kreative Gestaltungsfähigkeit, das Vorstellungsvermögen, die Problemlösekompetenz, sowohl affektive als auch soziale und motorische Kompetenzen. 

Der Spielspaß an Lernspielen

Es ist also klar, dass Lernspiele einen bildenden Effekt haben sollen. Es stellt sich aber auch die Frage, was die spielerischen Elemente an Lernspielen überhaupt sind. Prinzipiell arbeiten Lernspiele stark mit spielspezifischen Charakteristika. Beispiele hierfür sind vor allem der Flow-Effekt, das Punkte- oder auch das Feedbacksystem. Allen Aspekten ist gemeinsam, dass sie für die Spieler:innen äußerst motivierend wirken. Im Falle von Lernspielen führt diese Motivation auch zu gesteigertem Lernspaß und -erfolg.

Der Flow-Effekt bedeutet, dass die Schüler:innen in das Spiel vertieft sind und der Spielspaß an sich die Kinder motiviert das Spiel fortzusetzen. Es ist also kein äußerer Reiz, wie beispielsweise eine Belohnung, notwendig.

Das Punktesystem wirkt ebenso motivierend, da die Schüler:innen permanent ihren Fortschritt einsehen können und durch die Visualisierung der Punkte motiviert sind, im Spiel voran zu kommen. 

Das Feedback hat vor allem in Lernspielen eine wichtige Rolle. Hier ist vor allem Feedback gemeint, welches den Spieler:innen suggeriert, dass sie etwas gut gemacht haben oder aufzeigen, wenn dies nicht der Fall ist. Jedoch sehen Spiele im Grunde davon ab, negative Rückmeldungen zu forcieren. Stattdessen liegt der Fokus auf positiven Formulierungen, wie “Versuch es einfach nochmal”. Dieses konstruktive Feedbacksystem hat den großen Vorteil, dass es darauf abzielt, den Spieler:innen zu zeigen, dass Fehler nicht negativ sind, sondern regelrecht ein Element, aus dem man lernen kann, um sich letztendlich zu verbessern. Dies wird auch als “Trial and Error”-Effekt bezeichnet - ein bekannter Begriff in der Spieltheorie. Fehler als Teil des Erfolgs anzusehen ist nachgewiesenerweise sehr fördernd für den Lernprozess und kann daher die Motivation, Dinge immer wieder zu probieren, steigern. Außerdem kann die Angst vor Fehlern dadurch reduziert werden, ein Aspekt, der den Lernprozess stark hemmen kann. 

Was ist ein gutes Lernspiel?

Es gibt einige Kriterien, die ein gutes Lernspiel ausmachen:

Spielspaß

Spielspaß

Eines der wichtigsten Punkte für ein gelungenes Lernspiel ist der Spielspaß. Der Lernprozess wird somit mit positiven Emotionen verknüpft und dadurch auch besser unterstützt.  Lernen funktioniert nachgewiesenerweise nämlich dann sehr gut, wenn der Lernprozess mit einem guten Gefühl einhergeht.

Definiertes Lernziel

Definiertes Lernziel

Ein Lernspiel muss ein klar definiertes Lernziel haben. Das Spiel soll daher darauf ausgerichtet sein, dieses Lernziel zu erreichen.

Spielmechanismus

Spielmechanismus

Hierbei ist es wichtig, dass der zu lernende Inhalt gut aufgebaut und sinnvoll in das Spiel integriert ist. Spielmechanismus und Lerninhalt sollen also miteinander verschmelzen und nicht als separate Einheiten existieren. Wichtig ist auch, dass nicht das zu Lernende, sondern das Spiel im Mittelpunkt steht. Ein zu offensichtlicher Lerncharakter kann nämlich oftmals mit Anstrengung und negativen Zuständen, wie Nervosität oder Stress, assoziiert werden.

Schwierigkeit

Schwierigkeit

Ein gutes Lernspiel beinhaltet auch verschiedene Schwierigkeitsstufen, um sich auf die Lernenden individuell anpassen zu können. Prinzipiell sollte es das Ziel sein, dass sich das Lernspiel je nach Können der Spieler:innen adaptiert und sich mit ihnen mitentwickelt.

Wiederholungsreiz

Wiederholungsreiz

Lerninhalte können sich durch Wiederholungen stark festigen. Hat ein Lernspiel nun den Anreiz, es wiederholt zu spielen, so steigert sich auch der Lerneffekt.

Materialauswahl

Materialauswahl

Sind keine digitalen Geräte vorhanden, gibt es natürlich die Möglichkeit analoge Lernspiele zu verwenden. Hierfür eignen sich zum Beispiel Brett- oder Planspiele. Die Kriterien eines guten Lernspiels sind hierbei die gleichen wie bei der digitalen Version, jedoch ist ein weiterer wichtiger Punkt noch die Materialauswahl. Das gewählte Material sollte verschiedene Sinne der Schüler:innen ansprechen und auf die Gruppe abgestimmt sein.

Lernspiele im Unterricht

Wenn sie effektiv eingesetzt werden, können Lernspiele für den Unterricht sehr vorteilhaft sein. Lernspiele werden meist in den Unterricht integriert, um gewisse Inhalte eines Faches oder Themas näher zu bringen. Dies ist oft auch als game-based-learning bekannt. Hierbei ist es wichtig, das Lernspiel wirklich als Zusatz und Erweiterung für die Aufarbeitung oder Festigung eines Themas zu sehen, anstatt als gänzlich didaktischen Ersatz. Damit einher geht auch die wichtige Rolle der Lehrer:innen. Obwohl Lernspiele, wie oben bereits erwähnt, klar abgesteckte Lernziele an sich besitzen sollen, ist ein wichtiger Aspekt des Einsatzes die pädagogische Begleitung. Es sollte im Vorhinein also gut überlegt werden, wie das Spiel im Unterricht integriert wird. Lernspiele eignen sich besonders für den Themeneinstieg oder für die Wiederholung und Festigung. Hierbei sollte darauf geachtet werden, das Lernspiel immer mit einer anschließenden Reflexion zu verknüpfen. Vor allem bei jüngeren Kindern sollte der gespielte Inhalt besprochen werden. Kinder sollen die Lernspiele nämlich nicht als reine Freizeitaktivität sehen, sondern auch den Lerneffekt dahinter erkennen. Zweitens ist es wesentlich, den gespielten Inhalt mit den Schüler:innen zu hinterfragen und das Gelernte zu besprechen, um herauszufinden, wie effektiv die Lernenden den Spielprozess empfinden. Vor allem bei gesellschaftspolitischen Aspekten ist eine anschließende Diskussion essentiell, da vor allem diese Themen aufgrund ihrer oftmals schwerwiegenden Inhalte stark reflektiert werden müssen, um diese nachhaltig verarbeiten zu können.

Zusammengefasst eignen sich Lernspiele als effektives Tool, um den Lernprozess zu unterstützen und die Kombination von Spiel und Lerneffekt zu nutzen. Genauere Informationen zu Lernspielen, den pädagogischen Wert von Spielen an sich und deren Verwendung im Unterricht können Sie in unserer Themensammlung nachlesen. 

Quellen

Quellen

  • Egenfeldt-Nielsen, Simon; Smith, Jonas Heide; Tosca, Susana Pajares. 2020. Understanding video games: the essential introduction. London: Routledge. 
  • Popp, Susanne 1990: Das Lernspiel im Unterricht. Donauwörth: Ludwig Auer.
  • Thiele, Ramona. 2013. “Spielen lernen. Was macht ein gutes Lernspiel aus?” In Mehringer, Volker; Waburg, Wiebke (Hrsg.). Spielzeug, Spiele und Spielen. Aktuelle Studien und Konzepte. Wiesbaden: Springer, 143-155.