Der Male Gaze in den Medien

Eine Praxisidee, um den Male und Female Gaze in Medien kritisch zu hinterfragen.
Sekundarstufe I
Sekundarstufe II
Fremdsprachen
Deutsch
Geschichte & Sozialkunde

Kerngebiete

  • Digitale Kommunikation und Social Media
  • Aspekte von Medienwandel und Digitalisierung

Schlüsselkompetenzen

  • Digitale Kompetenz
  • persönliche, soziale & Lernkompetenz
  • Bürgerkompetenz

Ressourcen

  • Papier
  • Optional: Tablet oder Smartphone

Durchführung

Der Male Gaze und Female Gaze ist ein sehr aktuelles Thema. Es beschäftigt sich damit, wie Frauen und Männer aus einer männlichen und weiblichen Sicht in Medien behandelt werden. Vor allem der Male Gaze, also der männliche Blick, kommt oft in Kritik weibliche Charaktere auf ihren Körper zu reduzieren und sie eher als Beiwerk für die männlichen und starken Hauptcharaktere zu sehen. Der Female Gaze ist eher dafür bekannt, Charaktere in ihrer Vielfalt zu sehen und anzunehmen. Genauere Informationen zum Male und Female Gaze können Sie im YouTube-Video “Schnell erklärt: Der Male Gaze” bekommen. Da der Male Gaze immer noch dominierender ist, wird vor allem dieser in der Praxisidee kritisch behandelt und von den Schüler:innen in Kombination mit praktischen Aufgaben hinterfragt.

EINFÜHRUNG
Um den Schüler:innen einen Einstieg in die Thematik zu geben, geben Sie ihnen eine Filmszene vor, die den Male Gaze stark verdeutlicht. Für ältere Schüler:innen eignet sich zum Beispiel folgende Szene aus Transformers.

Für jüngere Schüler:innen könnte sich eine dieser Szenen eignen.

Unabhängig davon, für welchen Inhalt Sie sich entscheiden, sollte dieser mit den Schüler:innen diskutiert werden:

  • Worauf ist der Fokus in dieser Szene gelegt?
  • Wie wichtig ist der weibliche Charakter in dieser Szene?
  • Welche Rolle hat der weibliche Charakter in dieser Szene?
  • Was wird in dieser Szene besonders betont?
  • Kommt euch so eine Szene bekannt vor? 
  • Ist die Darstellung von männlichen und weiblichen Charakteren des Öfteren so gewählt? Wenn ja, welche Unterschiede kommen vor? 

Lassen Sie die Kinder und Jugendlichen kritisch über die Szene reflektieren. Besprechen Sie bei Bedarf auch, inwiefern sich diese Darstellung auf das private Leben von Menschen auswirken kann:

  • Werden Frauen in der Gesellschaft öfter als passiv angesehen?
  • Wieso glaubt ihr, ist es immer noch weit verbreitet, dass Männer als das “stärkere” Geschlecht gehandelt werden?
  • Wie können Medien unser Bild auf Geschlechter beeinflussen?

Sind die Kinder sehr jung und können die gesellschaftskritischen Fragen in der Form noch nicht greifen, dann vereinfachen Sie die Fragen:

  • Wird eher eine Frau oder ein Mann in Filmen als stark angesehen?
  • Wie werden die Charaktere in eurer Lieblingsserie dargestellt? Gibt es mehr Buben als Mädchen?
  • Stellt euch vor, ihr wärt das andere biologische Geschlecht, als jenes, welches ihr gerade seid: Glaubt ihr, dass euch die Menschen anders wahrnehmen würden? Wärt ihr zum Beispiel mutiger als Bub oder netter als Mädchen? 

AKTIVITÄT 1 | Plenum/Partner:innenarbeit
Der Male und Female Gaze kann also durch Filme, Bilder und Videospiele stark aufgezeigt werden. Auch auf Social Media kann vor allem der Male Gaze stark vertreten sein. Lassen Sie die Schüler:innen in Gruppen- oder Partner:innenarbeit diskutieren, inwiefern sie den Male oder Female Gaze auf Social Media spüren und wahrnehmen. Die Lernenden sollen hierzu Stichworte sammeln und brainstormen. Die Ergebnisse können kurz besprochen werden.
 

Nun kann mehr ins Detail gegangen werden: Auf der Plattform TikTok ist besonders der Male Gaze ein großes Thema. Unter dem Titel “I’m a woman written by a man” wird die Thematik satirisch behandelt. Befragen Sie die Lernenden, ob sie mit diesem Trend vertraut sind und was sie darunter verstehen.
Unterstützend können auch verschiedene TikTok Videos zum Einstieg angeschaut werden, wie zum Beispiel hier in dieser Videokompilation.

Diese Videos sind klar vom Male Gaze geprägt. Diskutieren Sie mit den Schüler:innen was dies für sie bedeutet. Betonen Sie, dass viele dieser Szenen zwar unrealistisch sind, dennoch aber sehr oft genauso in Medien dargestellt werden. Um dies besser zu verstehen, kann den Schüler:innen folgende Aufgabenstellung gegeben werden: 

Stell dir vor, du gehst draußen eine Runde laufen: 

  1. Beschreibe dieses Szenario zuerst so, wie du wirklich draußen laufen gehen würdest. 
  2. Beschreibe den Ablauf danach so, wie er deiner Meinung nach laut dem Male Gaze wäre. 

Die Schüler:innen sollen zuerst alleine überlegen und dann die Ergebnisse in Partner:innenarbeit präsentieren. Danach sollen die Schüler:innen miteinander diskutieren:

  • Wieso gibt es einen Unterschied zwischen der Realität und einem bestimmten Blickwinkel?
  • Beeinflusst euch, was ihr in Filmen seht? Bzw. glaubt ihr, ihr müsst euch genauso verhalten, wie die in Filmen vorhandenen Charaktere?
  • Wieso beeinflusst uns eine dominierende Perspektive in der Gesellschaft überhaupt?

Wenn jene Tiktok Szenen für Kinder noch nicht begreiflich sind, ändern Sie das Thema der Aufgabenstellung leicht ab:

Du bist auf einer Familienfeier und trägst ein schönes Kleid/einen schönen Anzug. Als ein Foto von dir gemacht wird, wird dir gesagt, dass du “hübsch” lächeln solltest, um auf dem Foto perfekt auszusehen. Eigentlich fühlst du dich aber nicht gut und dir ist gar nicht nach Lächeln zu Mute. Auch deine Kleidung ist sehr eng und du würdest lieber etwas Anderes tragen.

  1. Beschreibe das Foto einmal so, wie es aussehen würde, wenn du dich als "perfekt" darstellst. 
  2. Beschreibe das Foto danach so, wie es aussehen würde, wenn du dich so darstellst, wie du dich eigentlich in diesem Moment fühlst.

Danach könnt ihr in Partner:innenarbeit über folgende Fragen diskutieren:

  • Wieso wird oft von uns erwartet sich auf Fotos in einer bestimmten Art und Weise zu präsentieren?
  • Wie wichtig findet ihr es auf Fotos “richtig” gekleidet auszusehen?
  • Habt ihr bereits jetzt das Gefühl, dass ihr einer bestimmten Rolle entsprechen müsst?
  • Gibt es Aufgaben, die “typisch” für euer Geschlecht sind, die ihr aber eigentlich gar nicht machen wollt?

Achten Sie hierbei auf einen wertschätzenden und offenen Umgang, da es nicht für alle Menschen leicht ist, dieses Thema zu hinterfragen. 

AKTIVITÄT 2 | Plenum/Gruppenarbeit
In dieser Aktivität sollen die Schüler:innen selbst kreativ werden. Die Aufgabenstellung ist es, eine recht alltägliche Szene zu interpretieren. Die Klasse wird in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe stellt die Szene im Female und eine im Male Gaze dar. Zur Erinnerung: Der Female Gaze betrachtet Menschen eher in ihrer Individualität, während der Male Gaze ein sehr stereotypisches und oft sexualisierendes Bild fördert. Anbei finden Sie einen Vorschlag für ein “Drehbuch” einer alltäglichen Szene: 

Du schlägst dein Buch auf und lernst. Du wirst durstig und holst dir ein Glas Wasser. Du gehst von der Küche zurück an deinen Schreibtisch. Du rufst schnell einen Freund an. 

Ist eine Kamera oder ein digitales Endgerät mit Videofunktion verfügbar, kann die Szene damit gefilmt werden. Ist dies aber nicht der Fall, reicht es, die Szene einfach nachzuspielen.

Anschließend werden die Ergebnisse präsentiert und folgende Punkte diskutiert:

  • Was war schwierig umzusetzen? 
  • Kamen euch manche Situationen übertrieben vor? 
  • Wie war es für euch die Szene umzusetzen? 
  • Erkennt ihr in den Ergebnissen Unterschiede zwischen dem Male und Female Gaze? Wenn ja, welche?

Ist ein Videodreh ein zu großes Projekt, kann auch ein Foto oder ein inszenierter (unveröffentlichter) Social Media Beitrag gemacht werden. Wählen Sie hierfür eine sehr alltägliche Situation für das aufzunehmende Foto. Es eignen sich Vorschläge, wie:

  • Du liest ein Buch.
  • Du kochst Essen.
  • Du hörst Musik.

Anschließend werden die Ergebnisse verglichen und diskutiert. Befragen Sie die Schüler:innen vor allem dazu, ob sie sich von einem der beiden Projekte selbst betroffen fühlen, bzw. das Gefühl haben, einigen dieser Darstellungen gerecht werden zu müssen. 

Am Ende soll sich jede/r Schüler:in die Situation neu überlegen und zwar völlig frei von irgendeiner externen Perspektive. (Hinweis: Auch, wenn der Female Gaze die Individualität von Menschen anerkennt und forciert, wird auch dieser oft kritisiert, da er Druck ausübt, sich permanent von anderen abheben zu müssen.)
Vermitteln Sie den Lernenden, dass bei dieser Aufgabe alles erlaubt ist: schlechte Laune, jedes Kleidungsstück, das angezogen werden möchte, etc. Wenn sich ein/e Schüler:in traut, kann die Szene von dieser Person erklärt oder dargestellt werden. Drängen Sie die Lernenden aber nicht, sondern vermitteln Sie einfach die Wichtigkeit, sich in keiner Situation des Lebens von äußeren Standards zu stark beeinflussen zu lassen. Auch, wenn dies leichter gesagt als getan ist, kann es helfen, die Thematik im Unterricht zu behandeln.


Weiterführende Ideen

Wir schrieben den Male Gaze um!
Als Erweiterung können Schüler:innen einen bereits bestehenden Filmclip, der stark vom Male Gaze dominiert ist, umschreiben. Ziel ist es, die Szene möglichst individuell zu kreieren und die Kameraführung so zu gestalten, dass diese vom stark geprägten Male Gaze abzweicht.