Hitler auf "witzig": Rechte Memes im Klassenchat

Was tun, wenn hinter Humor menschenverachtende Inhalte stecken?

Im Bild sind mehrere Wolken mit dem Wort "Chat" zu sehen, dazwischen eine Wolke mit einer Hitler-Karikatur und einem Rufzeichen
Memes mit rechten Inhalten können plötzlich in Chats und anderen Sozialen Medien auftauchen.

Memes sind ein integraler Bestandteil der Internet- und Social-Media-Kultur (eine genaue Begriffsdefinition samt positiven Einsatzmöglichkeiten von Memes im Unterricht finden Sie etwa auch in diesem Artikel). Ausdrucksstarke Bilder oder Videos, versehen mit lustigen, unterhaltenden Texten, funktionieren vor allem auf jenen Plattformen perfekt, auf denen viele Inhalte gleichzeitig um Aufmerksamkeit buhlen und somit schnell überzeugen müssen.

Bereits seit einigen Jahren ist dabei der Trend zu beobachten, dass rechte oder gar rechtsextreme politische Strömungen dieses Phänomen bewusst nutzen, um ihr Programm zu verbreiten - und damit vor allem auch Kinder und Jugendliche erreichen. Immer wieder sind daher auch Schulen mit diesem Problem konfrontiert, wie etwa jüngst dieser Fall an einem Vorarlberger Gymnasium aufgezeigt hat. Aber auch in Deutschland war dies immer wieder zu beobachten, wie diese kurze Dokumentation der ARD-Reihe “Y-Kollektiv” aufarbeitet:

Bewusste Strategie der Neuen Rechten

Das bewusste Nutzen von (jugend)kulturellen Phänomenen zum Verbreiten der eigenen Botschaften geht dabei auf die geänderte Strategie der sogenannten Neuen Rechten zurück. Diese hatte sich ab den 1980er-Jahren in ihrer Kommunikation bewusst einen moderneren Anstrich gegeben, um so ein breiteres Publikum zu erreichen und längerfristig an sich binden zu können. In Österreich ist etwa die “Identitäre Bewegung” ein Repräsentant dieser Strömung. Zentraler Bestandteil dieser Gruppen ist der Kampf um kulturelle Hegemonie, ein Konzept, das ursprünglich auf den italienischen Marxisten Antonio Gramsci und somit linke Gruppierungen zurückgeht.

Aufgrund der Möglichkeit, komplexere Zusammenhänge mit minimalstem Einsatz von Grafiken/Bildern/Videos und Worten zu visualisieren, sind Memes sehr früh ins Blickfeld rechter Kommunikator:innen geraten (mehr dazu in der Studie “Do You Want Meme War?”, Englisch). Von ihnen werden sie gar martialisch als “Bio-Waffen” bezeichnet, die wie “Viren des Geistes” die Köpfe von Menschen infizieren und so dem Verbreiten der eigenen Ideologie dienlich sein können (siehe hierzu vor allem auch die Broschüre “Kreative, ans Werk! Memes in extrem rechter Internetkommunikation” der deutschen Amadeu-Antonio-Stiftung, die auch viele Beispiele bereithält). Wie weit verbreitet rechte Memes auf Plattformen wie Instagram mittlerweile sind, zeigt auch diese Recherche des deutschen Vereins Correctiv.

Die Spannbreite solcher Memes ist dabei eine sehr weite: Von an sich unverdächtigen Bildern, die mit menschenverachtenden Texten versehen werden, bis hin zu mit rechtsextremer Symbolik kokettierenden oder sogar offen zeigenden Inhalten. Oft haben entweder Bilder oder Texte eine doppelte Bedeutung, wobei die harmlosere dazu dient, die politisch aufgeladenere zu decken. Dieselbe Schutzfunktion nimmt auch der bewusste Einsatz von Humor und Satire ein, wenn etwa ein kurzes Video von Adolf Hitler oder anderen Nazi-Größen mit einem lustigen Liedtext und Musik unterlegt wird. Gerade dies macht es aber oft auch schwierig, gegen das Phänomen vorzugehen.

Umgang mit rechten Memes im Unterricht

Die letzten beiden Faktoren erschweren einen Umgang mit rechten Memes, gerade wenn sie unter Jugendlichen kursieren, bei denen die Grenzen zwischen Unwissen über (versteckte) Inhalte, Provokation der Erwachsenenwelt und verfestigter Radikalisierung nicht immer so genau zu ziehen ist. Gleichzeitig bietet auch der rechtliche Rahmen oft keine Handlungsmöglichkeiten bzw. Schutz, weil handwerklich geschickt das Recht auf freie Meinungsäußerung bis auf äußerste ausgereizt wird. Eben diese Problematik führt auch dazu, dass den Betreiber:innen der Sozialen Netzwerke nicht selten ein zu lascher Umgang mit extremistischen Inhalten vorgeworfen wird bzw. werden kann.

Von Expert:innen wird daher ein möglichst offenes Ansprechen empfohlen, sobald menschenverachtende Memes von Schüler:innen verbreitet werden (wie es etwa auch im oben verlinkten Fall der Vorarlberger Schule geschehen ist). Beratend zur Seite stehen können dabei auch die unten verlinkten Stellen, die über geschulte Mitarbeiter:innen verfügen. Mit speziellem Unterrichtsmaterial kann gemeinsam mit Schüler:innen an der Sensibilisierung zum Thema Rechtsextremismus gearbeitet werden. Unterstützend können dabei auch Lern-Apps wie etwa “Hidden Codes” (Sek I & II), “Loulu” (Sek II), “Zivilcourage online” (Sek I & II) oder “WDR AR 1933-45” (Sek I & II) eingesetzt werden.


Beratungsstellen und Unterrichtsmaterial

Beratungsstelle Extremismus, Helpline: 0800 2020 44
Bundesstelle Sektenfragen, Telefon 01 513 04 60
Meldestelle Rechtsextremismus (Mauthausen Komitee)
Extremismusprävention macht Schule (kostenlose Angebote der OeAD)

Themensammlung Extremismus (Zentrum Polis)
“Was tun gegen Rechtsextremismus?” (Bundeszentrale für politische Bildung)
Rechtsextremismus als Unterrichtsthema (LMZ Baden-Würtemberg)
“Rechtsextremismus hat viele Gesichter” (Klicksafe.de)




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