Woran Australiens Verbot von Social Media (noch) scheitert

Lasche Umsetzung der Konzerne, gewiefte Reaktion der Kinder: Soziale Medien auch unter 16 Jahren aktiv genutzt

Studien

Als einer der ersten Staaten weltweit hat Australien im Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für zehn ausgewählte Plattformen (darunter TikTok, Instagram, Snapchat) für User:innen unter 16 Jahren verhängt. Eine erste Follow-Up-Studie mit über 400 Teilnehmer:innen stellt den Maßnahmen nun aber ein ernüchterndes Zeugnis aus: Über 85% der befragten Kinder und Jugendlichen nutzen weiterhin eine der an sich für sie verbotenen Plattformen. Die durchschnittliche Nutzungsdauer blieb relativ stabil bzw. sank im besten Fall (in der Altersgruppe 14-15 Jahre) lediglich leicht. Woran liegt das?

Lasche Umsetzung durch Plattformbetreiber

Die Studienautor:innen halten für die Untersuchung drei Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes fest, dass das Social-Media-Verbot bisher von “limitierter Umsetzung, unvollständiger Einhaltung und signifikanter Umgehung” geprägt war. Als größtes Manko wird identifiziert, dass in der australischen Verordnung nicht genau festgelegt wurde, wie die Internet-Konzerne die Altersfeststellung ihrer User:innen gewährleisten müssen. 

Laut der Untersuchung musste ein Drittel der Unter-16-Jährigen diese überhaupt nicht durchlaufen, um weiterhin Zugang zu Sozialen Medien zu haben. Immerhin zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen hatten eine Eingangshürde bezüglich ihres Alters zu überwinden. Von diesen musste allerdings der größte Anteil lediglich eine offene Frage nach dem eigenen Alter beantworten oder ein Selfie/Foto als Nachweis erbringen. Das Hochladen einer elterlichen Erlaubnis, eines offiziellen Ausweises oder anderer strenger Identifizierungsmaßnahmen bildeten hingegen die eindeutige Ausnahme.

Leichte Umgehungsmöglichkeiten

Die Mehrheit (54% der 12- bis 13-Jährigen, 68% der 14- bis 15-Jährigen) nutzte daher auch weiterhin einen eigenen Account für den Ausflug in die digitale Welt - teils offensichtlich unter Angabe eines falschen Alters. Funktionierte diese Möglichkeit nicht, so fanden die Kinder und Jugendlichen jedoch leicht Umgehungsmethoden. Sie nutzten entweder den Account von anderen (29% / 9%), erstellten einen Fake-Account (15% / 19%) oder verwendeten einen Inkognito-Modus im Browser (11% / 6%). Auf die etwa während der TikTok-Sperre in Albanien gern genutzte Umgehungsmöglichkeit über Tunneldienste (VPN) wurde hingegen beinahe gar nicht zurückgegriffen (3% / 2%).

Sabotieren Tech-Konzerne die Maßnahmen?

Die nun veröffentlichte Studie unterstützt damit auch durchaus die bereits länger bestehenden Vorwürfe der australischen Kommunikationsministerin Anika Wells, die großen Tech-Unternehmen würden das Social-Media-Verbot in Australien bewusst zum Scheitern bringen. “Sie wollen, dass das Ganze chaotisch wirkt und die Menschen darüber sprechen, dass es nicht funktioniert. So können sie später die Hände in die Luft werfen und all den anderen Ländern, die das Experiment beobachten, sagen: 'Lasst es lieber bleiben’”, wird sie etwa in einem Korrespondentinnen-Bericht der ARD zitiert.

Bereits im März wurden daher gegen Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und YouTube Ermittlungen eingeleitet, mit denen genauer untersucht werden soll, ob sie australisches Recht willentlich nicht umsetzen. Im Falle eines erfolgreichen Nachweises drohen bis zu 30 Millionen Euro an Strafen. Ende Juni wurde angekündigt, dass Australien die mögliche Pönale verdoppeln wolle.