One Up Island
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Pädagogische Qualitätskriterien
“One Up Island” ist ein kostenloses Multiplayer-Spiel, das als App (iOs und Android) genutzt werden kann. Das Spiel wurde von der Arbeiterkammer Wien und Rarebyte entwickelt. Es kann auf Smartphones oder Tablets mit zwei bis zu 30 Personen gespielt werden und soll Themen wie Demokratie und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse spielerisch vermitteln. Damit eignet sich die App besonders für die Fächer Geschichte und Politische Bildung, Geographie und wirtschaftliche Bildung oder Ethik. Die Spieler:innen schlüpfen in die Rolle von Fabrikarbeiter:innen auf einer fiktiven Insel, die zunächst unter unfairen Lebens- und Arbeitsbedingungen leben. Gemeinsam versuchen sie, diese durch Arbeit, Verhandlungen oder Streiks zu verbessern. Das Spiel setzt stark auf direkten Austausch und das gemeinsame Entscheiden der Schüler:innen. Empfohlen wird “One Up Island” ab 13 Jahren. Aus unserer Sicht ist es jedoch eher ab 14-15 Jahren sinnvoll einsetzbar, weil Inhalte oft nur angerissen werden und dadurch ein tieferes Verständnis für demokratische Entscheidungsprozesse vorhanden sein sollte.
Aktivität & Kreativität
“One Up Island” kann bereits ab zwei Personen gespielt werden. Eine Spielleitung ist jedenfalls immer erforderlich. Diese Rolle kann beispielsweise von der Lehrkraft übernommen werden. Sie organisiert den Ablauf, startet, pausiert oder beendet die Runde und behält den Überblick. Dabei kann die Spielleitung selbst aktiv am Spiel teilnehmen, muss dies jedoch nicht. Die Spieler:innen wählen Namen und Aussehen ihrer Figuren. Wenn alle Figuren ausgewählt und gestaltet wurden, kann die Spielleitung das Spiel starten. Zunächst können sich die Nutzer:innen für einen Beruf entscheiden. Sie müssen anfangs zwischen Nähen, Schmieden oder Kochen wählen und in der Fabrik nach freien Stellen suchen. Nicht jeder Beruf hat immer freie Stellen. Alternativ ist jederzeit eine Ausbildung möglich.
Innerhalb der Berufe gibt es sortierende, produzierende und verpackende Tätigkeiten, wodurch Zusammenarbeit und wirtschaftliche Abhängigkeiten gut veranschaulicht werden. Weniger überzeugend sind jedoch viele andere Spielmechaniken. Die Ausbildung verläuft immer nach demselben Muster, indem Bücher nach Farben zugeordnet werden. Diese Tätigkeit wirkt auf Dauer monoton und bietet keinen didaktischen Mehrwert.
Auch das Entscheidungssystem bleibt wenig nachvollziehbar. Spieler:innen können sich zwar täglich zwischen Arbeiten und Verhandeln entscheiden, jedoch müssen alle auf die Verhandlungsergebnisse warten und anschließend ohnehin arbeiten gehen. Die individuelle Entscheidung hat damit kaum Einfluss auf den Spielverlauf. Unlogisch und etwas zufällig erscheint auch stellenweise das System aus Goldmünzen, Lohn und Reichtum, wodurch strategische Entscheidungen erschwert werden. Im späteren Spielverlauf werden mit Institutionen, wie einer Krankenversicherung oder der Arbeiterkammer, theoretisch wichtige Themen der politischen Bildung aufgegriffen. Diese bleiben jedoch eher oberflächlich und haben keinen greifbaren Mehrwert innerhalb des Spiels. Auch Entscheidungen und Verhandlungen haben oft nur begrenzte Auswirkungen auf das weitere Spielgeschehen.
Sozialform, Reflexion und weiterführende Themen
Da “One Up Island“ erst ab zwei Spieler:innen spielbar ist und von einem größeren Austausch mit anderen Schüler:innen lebt, eignet es sich besonders für Gruppenarbeit. Zusätzlich ist das Lernspiel dafür ausgelegt, dass sich die Schüler:innen im Zuge der verschiedenen Entscheidungsprozesse miteinander austauschen und im Dialog arbeiten. Das Lernspiel sollte nicht isoliert behandelt werden und benötigt eine durch die Lehrkraft begleitete Reflexion im Plenum. Da “One Up Island” über gesellschaftsrelevante Themen aufklären will, ist es wichtig, diese auch in weiterer Folge im Unterricht zu behandeln, da das Lernspiel alleine für die Wissensvermittlung nicht ausreicht.
Altersgerechte Darstellung
Das Lernspiel ist mit vielen sehr fiktiv aussehenden Spielfiguren und textbasierten Inhalten in Form von Informationen gestaltet. Die Handhabung des Spiels ist nicht komplex und eignet sich für die intendierte Zielgruppe. Jedoch sind einige Themen eher oberflächlich bearbeitet und dadurch schwer greifbar.
Einsatzmöglichkeiten im Unterricht
Mit ausreichend Geräten lässt sich “One Up Island” im Unterricht einsetzen. Für ein vollständiges Spiel sollten mindestens 3-4 Unterrichtseinheiten eingeplant werden, inklusive Pausen zur Reflexion und wichtige Diskussionen der Schüler:innen.
Der Lernwert durch den reinen Spielprozess ist aber begrenzt. Viele Themen im Lernspiel werden nur angerissen. Demokratische Entscheidungen spielen eine zentrale Rolle, werden jedoch oft unter Zeitdruck oder zufällig getroffen, sodass der Lernwert fraglich bleibt. Insgesamt eignet sich das Spiel also eher als ergänzender Impuls, als als zentrales Unterrichtswerkzeug. “One Up Island” sollte daher in ein größeres Unterrichtsprojekt eingebettet und nicht isoliert behandelt werden. Das Begleitmaterial unterstützt Lehrkräfte mit technischen Hinweisen, Lernzielen, Lehrplanbezug und Hintergrundinformationen. Es enthält Reflexionsfragen sowie historische und politische Beispiele mit Arbeitsaufträgen. Jedoch nimmt das Material nicht immer direkt auf das Lernspiel Bezug. Daher ist es wichtig, dass die Lehrkraft generell sehr gut über die Themen innerhalb der App informiert ist, um die Inhalte auch anhand der Spielmechaniken kritisch einordnen zu können. Besonders sinnvoll ist es, das Lernspiel im Zuge des extra dafür konzipierten Workshops im Unterricht durchzuführen. Der Workshop ist ab der 7. Schulstufe für Wiener Schulen und Bildungseinrichtungen kostenlos buchbar.
Einsatzmöglichkeiten zuhause
“One Up Island” eignet sich nicht für den Einsatz zuhause, da es mindestens zwei Spieler:innen und eine moderierende Person benötigt. Das Lernspiel ist also nur im direkten Einsatz im Unterricht sinnvoll.
Technische Kriterien
- kostenfrei, ohne Premium- oder Abo-Modelle
- keine Werbung oder In-App-Käufe
- als App (iOs und Android) am Tablet und Smartphone abrufbar
Datenschutz
Um das Lernspiel zu nutzen, müssen sich die Schüler:innen nicht registrieren und daher auch keinen persönlichen Namen oder eine E-Mail-Adresse preisgeben. Die Hersteller:innen versichern einen hohen Datenschutz und geben an, dass keine personenbezogenen Daten der Nutzer:innen erhoben oder verarbeitet werden.
Usability & Sprachen
“One Up Island” ist nur auf Deutsch verfügbar, es wird aber an einer englischen Version gearbeitet. Im Spiel wird stark mit Symbolen und einem überwiegend spielerischen Design gearbeitet. Für die textbasierten Inhalte ist eine gut ausgeprägte Lesekompetenz sowie Kenntnisse der deutschen Sprache wichtig. Das Lernspiel ist einfach zu bedienen, da es einem Point-and-Click-Mechanismus ähnelt und dadurch niederschwellig zu handhaben ist. “One Up Island” wird immer wieder weiterentwickelt und angepasst.
Fazit
“One Up Island” bietet einige interessante Ansätze für das Verstehen von demokratischen Entscheidungsprozessen. Gleichzeitig wirken viele Spielmechaniken zufällig oder wenig nachvollziehbar, wodurch die Themen nur begrenzt vermittelt werden. Für den Unterricht eignet sich die App daher eher als ergänzender Impuls. Wichtig ist eine enge pädagogische Begleitung.
Getestet im März 2026