Einen Film vertonen
Kompetenzen der Digitalen Grundbildung
- Produktion
Ressourcen
- Schüler:innen-Endgeräte
- Beamer oder Digitale Schultafel
- Internetzugang
- Evtl. Audio-Aufnahmegerät
- Geräuscheliste für den Film “Das Büro”
Kontext
Eine wichtige Erkenntnis im Bereich der Mediengestaltung ist die Tatsache, dass Medieninhalte komplexe Produkte sind, die aus mehreren Elementen zusammengefügt werden. Im Idealfall erscheint das Ergebnis wie aus einem Guss. So werden Geräusche im Film oft nachträglich hinzugefügt oder verstärkt. Dafür gibt es den Beruf des/der Geräuschemacher:in, meist englisch als Foley Artist bezeichnet. Als Begründer dieser Kunst gilt Jack Foley (1891-1967). In dieser Praxis-Idee vertonen die Schüler:innen den kurzen Film "Das Büro" () und lernen so die Technik und die Tricks des Geräuschemachens kennen.
Vorbereitung
Die Lehrperson bereitet verschiedene Alltagsmaterialien zur Erzeugung von Geräuschen vor: Schüsseln aus Plastik oder Metall, Papier, Plastik- und Aluminiumfolie, Karton, Wasser, Zahnstocher, Scharniere, kleine Äste, Blätter, Grasbüschel, Federn … Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Ansonsten können auch die Schüler:innen selbst überlegen, welche Gegenstände genutzt werden können. Im vorbereiteten Film "Das Büro" kommen Alltagsgeräusche wie Schritte, Türe aufsperren, Kaffee trinken etc. vor. Eine Liste der Geräusche haben wir hier vorbereitet. Es kann aber lustig sein, mit ganz anderen, unpassenden Geräuschen für diese Handlungen zu experimentieren.
Einstieg
GESPRÄCH | Film ohne Ton
Plenum
Die Lehrperson zeigt die erste Minute eines Films - des Kurzfilms "Das Büro" oder eines beliebigen anderen Films - ohne Ton. Dann wird darüber gesprochen:
- Was fehlt in diesem Film?
- Wird in einem Film immer der Originalton genutzt?
- Wie kann man mit einfachen Mitteln Geräusche erzeugen?
Die Lehrperson kündigt an, dass im Rahmen dieser Praxisidee ein Film nachvertont werden soll.
Durchführung
ÜBUNG | Sound-Detektive
Einzelarbeit
Der Film "Das Büro" wird nun ohne Ton mit Beamer oder an der digitalen Tafel gezeigt. Eventuell wird er gelegentlich pausiert. Die Schüler:innen notieren für sich, welche Geräusche gerade vorkommen.
Hier kann auch nachgefragt werden: Worum geht es eigentlich in diesem Film? Wie wirkt er auf euch? (gruselig, lustig, spannend…) Was passiert danach? Hat das Relevanz für die geplanten Geräusche?
Nach Ende des Films werden alle aufgeschriebenen Geräusche zusammengetragen und auf Tafel oder Flipchart gesammelt.
VIDEO | Der Beruf "Geräuschemacher:in"
Plenum
Unter "weiterführende Links" sind zwei Dokumentationen zum Beruf "Geräusche machen" (engl. "Foley Artist") zu finden. Eine davon wird nun, ganz oder teilweise, gezeigt. Die Schüler:innen bekommen so eine Vorstellung davon, wie einfallsreich Geräuschemacher:innen sein müssen, um mit oft unerwarteten Hilfsmitteln realistisch wirkende Geräusche zu erzeugen.
RECHERCHE | Geräusche erzeugen
Kleingruppenarbeit
Die Schüler:innen teilen sich in Kleingruppen auf. Jeder Gruppe werden einige Geräusche aus der zuvor erstellten Sammlung zugeteilt, und die Schüler:innen erhalten die Aufgabe, herauszufinden, wie dieses Geräusch mit einfachen Mitteln erzeugt werden kann. Es sollte bewusst nicht das tatsächliche Geräusch - also etwa Türe öffnen - herangezogen, sondern überlegt werden, wie ein passendes Geräusch mit anderen Mitteln erzeugt werden kann. Bereits in der Aufteilung soll aber darauf geachtet werden, welche Geräusche wahrscheinlich mit ähnlichen Mitteln nachgeahmt werden können (z.B. Türe/Fenster/Kühlschrank öffnen und schließen).
Nun experimentiert jede Gruppe mit den zur Verfügung gestellten Materialien und stellt schließlich die Gegenstände zusammen, die sie für die Produktion ihrer jeweiligen Geräusche brauchen.
Für die Recherche können die Schüler:innen z.B. YouTube mit dem Stichwort "Foley Artist" nutzen.
Das Zusammenstellen von Geräusche erzeugenden Materialien kann auch als Hausaufgabe gegeben werden.
ÜBUNG | Live-Vertonung
Plenum / Kleingruppenarbeit
Die Schüler:innen kommen wieder im Plenum zusammen, wobei jede Gruppe mit den benötigten Utensilien für ihre Geräusche ausgerüstet ist.
Dann wird der Film ohne Ton abgespielt, und die Schüler:innen versuchen, synchron dazu die passenden Geräusche zu erzeugen. Nach einer Probe kann die gesamte Geräuschkulisse aufgenommen und der Film damit unterlegt werden. Die Filmdatei als Download gibt es hier.
Als fortgeschrittene Aufgabe werden die Geräusche einzeln aufgenommen und der Film in einem Videoschnittprogramm, etwa dem kostenlosen OpenShot, vertont.
Der komplette Film kann auch von mehreren Gruppen unabhängig voneinander vertont werden. Danach werden die Versionen im Plenum gemeinsam angesehen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede diskutiert.
Reflexion
- Wie habt ihr euch in der Gruppe aufgeteilt? Hat jemand die Gruppe dirigiert, oder habt ihr die Geräusche ohne zentrale Leitung produziert? Wie hat es funktioniert?
- Welcher Gegenstand hat euch mit seinem Geräusch am meisten überrascht?
- Welches Geräusch war ohne den echten Gegenstand am schwierigsten zu imitieren?
- Wie hat sich die Stimmung des Films durch eure Geräusche verändert? Wirkte er plötzlich lustiger, spannender oder vielleicht sogar unheimlich?
- Achtet ihr jetzt vielleicht anders auf Geräusche, wenn ihr eine Serie oder ein YouTube-Video schaut?
- Was war schwieriger: Das passende Geräusch zu finden oder es exakt zum richtigen Zeitpunkt (synchron) abzuspielen?
- Was ist passiert, wenn ein Geräusch mal danebenging?
Weiterführende Ideen
Vertonen alter Stummfilme
Auch kurze, alte Stummfilme eignen sich für die Vertonung. Auf Youtube oder Archive.org sind viele davon zu finden.
Sachinformationen
Warum wird nachvertont?
Am Filmset ist es nie völlig still. Die Crew flüstert, Schritte sind im Hintergrund zu hören, oder der Wind bläst ins Mikrofon. Um die volle Kontrolle über die Stimmung zu haben, wird der Ton im Studio "nachgebaut". Erst durch gezielte Geräusche wird eine Szene lebendig und glaubwürdig.
Der O-Ton (Originalton)
Das ist der Ton, der direkt beim Dreh aufgenommen wird – primär sind das die Dialoge der Schauspieler:innen. Da dieser oft unsauber ist, müssen viele Szenen später im Studio "synchronisiert" (nachgesprochen) werden. In Reportagen wird oft der O-Ton inklusive der Geräusche genutzt, das gibt der Aufnahme einen authentischen Charakter. Hier muss nur darauf geachtet werden, dass die Sprechenden gut zu verstehen sind.
Die Atmo (Atmosphäre)
Die "Atmo" sorgt dafür, dass ein Raum nicht leer klingt. Dieses "Hintergrundrauschen" nehmen wir bewusst meist gar nicht wahr, aber im Film hört man sie. Selbst in einem stillen Büro hört man ein leises Summen der Lüftung oder das entfernte Ticken einer Uhr.
Foley (Geräuschemacher)
Benannt nach dem Pionier Jack Foley, stellen Geräuschemacher:innen händisch Naturgeräusche und alle körperlichen Aktionen nach. Sie nutzen oft völlig fachfremde Gegenstände: Ein Schritt im Schnee wird durch das Kneten einer Packung Speisestärke imitiert, das Flattern von Vogelflügeln durch das schnelle Auf- und Zuklappen eines Regenschirms.
Weiterführende Links
Eines dieser beiden Videos kann mit den Schüler:innen zur Vorbereitung angeschaut werden:
- Foley Artist (englisch)
- Stummfilme etc. unter freier Lizenz
- Geräusche unter freier Lizenz