Family-Influencing: Likes auf Kosten der Kinder?

Erstmals deutsche Studie zur Darstellung von Babys und Kleinkindern auf monetarisierten Social-Media-Accounts

Studien
Eine Frau mit Baby in einem Tragegurt sitzt bei herbstlicher Stimmung auf einer Bank und hält ein Smartphone vor sich.
Nicht alle Influencer:innen gehen sorgsam mit der Erkennbarkeit ihrer Kinder um, wenn sie auf Social Media unterwegs sind.

Auf Instagram, TikTok und Co. präsentieren viele professionelle Influencer:innen gern ihr scheinbar perfektes Familienleben. Family-Influencing ist längst zum Massenphänomen und zum lukrativen Geschäftsmodell geworden. Von diesem Geschäft profitieren die Account-Betreiber:innen selbst, die Werbewirtschaft und die Plattformen, die durch ihre Algorithmen maßgeblich bestimmen, welche Inhalte sichtbar werden. 

Ähnlich wie beim Sharenting, also dem Teilen von Kinder- und Familienfotos in Sozialen Medien mit nicht überwiegend kommerziellem Interesse, stellen sich dabei aber zahlreiche Fragen zu den Rechten der dabei gezeigten minderjährigen Familienmitglieder. Die Darstellung von Kindern in kommerziellen Umfeldern kann mit deren verfassungsmäßigen Rechten und Schutzbedürfnissen, auch im Lichte der UN-Kinderrechtskonvention, kollidieren. Im Zentrum der Problematik stehen dabei Verletzungen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und des daraus abgeleiteten Rechts am eigenen Bild sowie des Rechts auf Privatheit.

Fotos von Kindern verleihen Authentizität

Das Hamburger Leibniz-Institut für Medienforschung/Hans-Bredow-Institut hat für eine Studie erstmals im deutschsprachigen Raum dieses Phänomen genauer untersucht und 10.000 Einzelpostings von 359 verschiedenen Profilen auf Instagram, YouTube und TikTok analysiert. Zusammengenommen erreichen diese Accounts mehr als 109 Millionen Follower:innen. In 44 Prozent aller untersuchten Posts werden dabei Kinder zwischen 0 und 5 Jahren gezeigt, in den seltensten Fällen spielen sie allerdings eine zentrale Rolle. Vielmehr werden Inhalte mit Kindern vor allem dazu “genutzt”, um besondere Authentizität herzustellen, bzw. auch zur Interaktionsförderung sowie als Community-Verstärker.

Grundsätzlich kann für die Mehrheit der Influencer:innen ein durchaus sorgsamer Umgang mit Fotos und Videos von und mit ihren Kindern festgestellt werden. “Über zwei Drittel [..] nutzen zumindest üblicherweise Maßnahmen zur Unkenntlichmachung (Kamerawinkel, Overlays, Verpixelungen)”, halten die Autor:innen in ihrer Zusammenfassung fest. Bei einem Drittel der Accounts wurden solche Maßnahmen allerdings nicht ergriffen und die Kinder waren erkenn- und identifizierbar. 

Viel problematischer ist: Vor allem bei sehr reichweitenstarken Influencer:innen waren identifizierbare Kinderdarstellungen in großem Ausmaß zu finden (bei 52% der Top-25-Accounts), wobei es in diesen Fällen noch dazu zu 35 Prozent besonders junge Kinder (0-2 Jahre) betraf. Dies stellt zwar nicht unerhebliche Risiken des Missbrauchs (Stichwort: Deepfakes & Co.) dar, eine besonders hohe zusätzliche Reichweitensteigerung, wenn Kinder identifizierbar abgebildet waren, konnte allerdings nicht nachgewiesen werden.

Rechtliche Einordnung und Handlungsempfehlungen

Neben den durchwegs interessanten Ergebnissen der Studie liegt ihre Stärke vor allem auch in der ausführlichen Betrachtung der rechtlichen und ethischen Fragestellungen (auf Grundlage des deutschen Rechts), was die Veröffentlichung von Kinderabbildungen in Sozialen Medien betrifft. So wird etwa auch diskutiert, ab welchem Zeitpunkt die stellvertretende Zustimmung der Eltern zu Abbildung der eigenen Kinder rechtsunwirksam sein könnte, oder ab wann es in diesem Zusammenhang zu einer Kindeswohlgefährdung kommen könnte. Abseits vom abgesteckten Untersuchungsfeld Family-Influencing kann dies auch für Sharenting und den generellen Umgang mit Fotos und Videos mit Kindern in Sozialen Medien aufschlussreich sein.

Sehr ausführlich zudem auch die Handlungsempfehlungen für alle möglichen Akteure in diesem Spannungsfeld, von Gesetzgebung/Politik über Behörden, Plattformbetreibern bis hin zu den Eltern bzw. Influencer:innen selbst.


Erwähnte Studie

Darstellung von Babys und Kleinkindern in monetarisierten Social-Media-Profilen (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts 82, Hamburg, 2026)