Studie: Jugendliche und das "Fake-News-Dilemma"

Saferinternet.at untersuchte das Medienverhalten junger Menschen.

Eine junge Frau nutzt auf einem Bahnsteig ein Handy und ist von hinten von der Kamera aufgenommen worden

Anlässlich des 20. Internationalen Safer Internet Day präsentierte Saferinternet.at eine aktuelle Erhebung zum Thema „Jugendliche und Falschinformationen im Internet“ - für die 400 11- bis 17-Jährige befragt wurden.

Die Studienergebnisse zeigen dabei auf, dass junge Menschen in Österreich beim Umgang mit Informationen im Internet in einem Dilemma stecken: Einerseits informieren sie sich zu Alltagsthemen vor allem über Soziale Medien, andererseits vertrauen sie den dort bezogenen Informationen jedoch kaum. Es gibt große Wissenslücken und Probleme bei der Bewertung von Informationsquellen. Gleichzeitig sinkt der Konsum von klassischen Medien unter Jugendlichen stetig.

Bedeutung Sozialer Netzwerke steigen weiter

Wie bereits bei der ähnlichen Erhebung 2017 sind Online-Medien und Soziale Netzwerke auch 2023 für Jugendliche die wichtigste Quelle rund um tagesaktuelle Informationen aus Politik, Sport und Kultur. Die Sozialen Netzwerke stehen an erster Stelle und werden von 80 Prozent der befragten Jugendlichen mindestens wöchentlich genutzt (2017: 59%). YouTube wird - mit einem besonders deutlichen Zuwachs - von 75 Prozent der Jugendlichen zumindest wöchentlich zur Information über tagesaktuelle Themen verwendet (2017: 27%).

Danach folgen Streaming-Plattformen mit 59 Prozent, dann Fernsehen (2023: 54%, 2017: 59%) sowie Blogs und allgemeine Webseiten (2023: 48%). Rund vier von zehn Jugendlichen nutzen Webseiten klassischer Medien (2023: 39%, 2017: 20%), Wikipedia (2023: 39%, 2017: 9%), sowie Radio (2023: 37%, 2017: 33%). Podcast werden noch von 24 Prozent der Jugendlichen genutzt. Gedruckte Tageszeitungen und Magazine spielen nur noch bei 17 Prozent der Jugendlichen eine relevante Rolle, das ist ein Rückgang um acht Prozentpunkte im Vergleich zu 2017.

Wikipedia für Jugendliche am glaubwürdigsten

Obwohl Soziale Netzwerke die wichtigste Informationsquelle für Jugendliche sind, beurteilen sie diese als wenig glaubwürdig. Nur acht Prozent der Befragten schätzen Soziale Netzwerke als „sehr glaubwürdig“ ein (2017: 10%). Ähnliches gilt für die zweitwichtigste Informationsquelle YouTube, die nur von 10 Prozent als „sehr glaubwürdig“ bewertet wird. Das meiste Vertrauen genießt unter den Jugendlichen die Informationsquelle Wikipedia, 25 Prozent erachten sie als sehr glaubwürdig (2017: 21%). Auf den weiteren Plätzen im Vertrauensranking folgen die klassischen Medien Radio (2023: 21%, 2017: 32%), Fernsehen (2023: 20%, 2017: 29%), Webseiten der klassischen Medien (2023: 19%, 2017: 23%) sowie Tageszeitungen und Magazine (2023: 12%, 2017: 20%).

Ebenfalls werden Influencer:innen von Jugendlichen verstärkt als tägliche News- und Informationsquelle genutzt und von diesen als „moderne Journalist:innen“ wahrgenommen. Jedoch handelt es sich hierbei meist um junge Menschen, die eigene Online-Kanäle betreiben, aber in der Regel keinen redaktionellen Qualitätskriterien unterliegen. Bereits 63 Prozent der Jugendlichen beziehen sich bei tagesaktuellen Themen auf Beiträge von Influencer:innen.

„Bauchgefühl“ ist Wegweiser, um Fake News zu erkennen

49 Prozent der befragten Jugendlichen sind sich häufig unsicher, ob Informationen im Internet wahrhaft sind. Selbst für schulische Zwecke überprüfen jedoch nur 64 Prozent der Jugendlichen die Quellen von Informationen – und nur, wenn ihnen die Information unglaubwürdig erscheint. „Das ‚Bauchgefühl‘ spielt somit für die Beurteilung von Informationsquellen eine wichtige Rolle. Was dieses Bauchgefühl ausmacht, können Jugendliche aber kaum beschreiben“, sagt Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at.

Bei einem Großteil der Jugendlichen ist ein Interesse zur Überprüfung von Informationen vorhanden. Allerdings geben nur 22 Prozent der Jugendlichen an, Internetseiten für den Faktencheck (wie z.B. Mimikama und Correctiv) zu kennen. Und nur 12 Prozent der Jugendlichen nutzen diese dann auch tatsächlich. 54 Prozent der Jugendlichen gaben an, Informationen aus unterschiedlichen Quellen zu vergleichen.

Die Hälfte der jungen Menschen gibt an, Nachrichten zu aktuellen Themen ungeprüft weiterzuleiten; 53 Prozent empfinden die Überprüfung der Informationsquellen als mühsam. Für 56 Prozent der 11- bis 14-Jährigen sind die Eltern die erste Anlaufstelle bei Fragen zum Wahrheitsgehalt von Informationen im Internet. Je älter die Jugendlichen werden, desto eigenständiger agieren sie.

Mehr Informationen zur Studie finden Sie auch auf der Webseite von Saferinternet.at.



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