KI-Forscher:innen vermissen menschliche Perspektive

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Würzburg beschäftigt sich mit der Forschung zur generativen KI (wie z.B. Chatbots) im MINT-Unterricht der Sekundarstufe. In der Studie selbst war das Konzept des “Human Flourishing” (dt. menschliches Gedeihen) zentral. Dieses hat das Ziel, Menschen zu befähigen, ihr volles Potenzial zu entfalten, ein selbstbestimmtes, sinnvolles Leben zu führen und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Einen solchen ganzheitlichen Ansatz vermissen die Studienautor:innen jedoch in der aktuellen Forschung rund um den Einsatz von KI im MINT-Klassenzimmer.
Forschung ist technikzentriert
183 wissenschaftliche Publikationen wurden für die Studie analysiert. Das Fazit: Die Forschung konzentriert sich aktuell stark auf die KI und nicht auf den Menschen. Viele Beiträge untersuchen die Leistung (35%) und Entwicklung (22%) von KI-Tools, jedoch weniger deren Anwendung im Unterricht oder deren Auswirkungen auf Lernende oder Lehrende. KI-generiertes Material ist häufig im Fokus von wissenschaftlichen Analysen, allerdings nicht deren Anwendung und Wirkung bei Schüler:innen und Lehrenden. Die vorhandene Literatur betont vorwiegend kognitive Aspekte, ethische, soziale oder emotionale Dimensionen werden kaum adressiert. Die kulturelle Vielfalt bleibt ebenso auf der Strecke, denn die aktuelle Forschung ist stark auf den globalen Norden konzentriert (73%, davon allein 30% aus den USA).
KI als Werkzeug für Lehrende
Die Schlussfolgerung der Studie ist eindeutig: „Die Forschung zu KI im Bildungsbereich muss den Menschen wieder stärker in den Mittelpunkt stellen“, so die Forderung der Studienautor:innen Hans-Stefan Siller und Alissa Fock. Statt nur zu fragen, was technologisch möglich ist, müsse die zentrale Frage lauten, was junge Menschen benötigen, um in einer von KI geprägten Welt Sinn und Handlungsfähigkeit zu finden. Als konstruktiven Lösungsansatz schlagen Siller und Fock eine Zusammenarbeit von Lehrenden und KI vor, bei welcher KI von Lehrenden als Werkzeug genutzt wird, um zeitaufwändige Routineaufgaben zu delegieren, wie z.B. die Erstellung von Übungsaufgaben oder erste Entwürfe für Unterrichtspläne.
Wichtige Grundregeln für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Unterricht finden Sie in unseren “10 Geboten für den Einsatz von KI im Unterricht”.