Divers, inklusiv, elegant: Die Wiener Schulschrift "Prima"

Mit neuen technischen Möglichkeiten den natürlichen Schreibfluss von Kindern unterstützen.

Vor drei Jahren hat der Wiener Bildungsserver gemeinsam mit den beiden österreichischen Schriftexperten Dr. Titus Nemeth (Wiener Schriften) und Mag. Martin Tiefenthaler (typographische gesellschaft austria/tga) begonnen, eine neue digitale Schulschrift zu entwickeln.

Mit "Prima" kann diese nun stolz präsentiert werden. Diese Schrift nutzt neue technische Möglichkeiten, um den natürlichen Schreibfluss von Kindern zu unterstützen und verfügt zudem auch noch über viele zusätzliche Vorteile.

Zahlreiche Vorteile durch "Prima"

  • Diversität und Inklusion
    Die neue Schrift deckt Schriftzeichen aus über 200 Sprachen ab, und bildet damit auch die Vielfalt an Namen ab, die es in unserer Stadt gibt. Zudem wurde spezieller Bedacht auf einfachere Erlernbarkeit und Unverwechselbarkeit der einzelnen Buchstaben gelegt, was unter anderem Kinder mit Leseschwäche unterstützt.
  • Selbstermächtigung statt Zwang
    Waren die bisherige Schriften darauf ausgerichtet, möglichst schön zu schreiben, hat Prima den Anspruch die Funktion von Schrift hervorzuheben. Sie bricht dabei die starre Struktur der durchgehend verbundenen Schrift und bietet einen besseren Übergang zur unverbundenen Schrift. Dadurch lernen Kinder intuitiver und schneller zu schreiben, was unter anderem wichtig für schriftliche Prüfungen ist oder beim Lernen von Fremdsprachen hilft (z.B. Deutsch als Zweitsprache).
  • Urheberrechtliche Sicherheit
    Die Schrift steht öffentlich für alle unter einer Creative Commons Lizenz zur Verfügung. Unter dieser Lizenz können Lehrer:innen oder Eltern die Schrift ohne urheberrechtliche Bedenken nutzen.

Download Schrift & Zusatzmaterial

Die neue Wiener Schulschrift "Prima" samt nützlichen Hintergrundinformationen und kostenlosem Begleitmaterial können Sie ab sofort unter diesem Link downloaden.

Zusätzlich bieten wir im Sommersemester 2023 auch den Workshop "Prima schreiben lernen" an, in dem die Theorie hinter der neuen Schulschrift erkundet werden kann und genügend Zeit ist, ihre Umsetzung in der Praxis zu üben.


Bisherige Schulschriften aus 1969 und 1995

Bis zum Schuljahr 2023/24 konnten Lehrende zwischen den beiden österreichischen Schulschriften aus den Jahren 1969 und 1995 frei für ihren Unterricht wählen. Erst ab 2023/24 soll nur mehr die Schulschrift 1995 unterrichtet werden. Diese entspricht allerdings nicht den neuesten lern- und entwicklungspsychologischen Erkenntnissen zu Kognition, chirografischer Ergonomie und Lesephysiologie - ganz abgesehen davon, dass es für sie auch weiterhin keine brauchbaren digitalen Vorlagen gibt.

Die Schulschrift 1995 hat den Anspruch, eine gänzlich verbundene Schrift zu vermitteln, kann diesen aber in vielen Buchstabenverbindungen schreibtechnisch-ergonomisch nicht erfüllen. Sowohl die Qualität einzelner Buchstaben in ihrer Linienführung als auch unbewältigte Buchstabenverbindungen, die teilweise schreibunlogisch sind und/oder zu unregelmäßigen Buchstabenabständen führen, ergeben ein wenig wünschenswertes Gesamtschriftbild. Dieses ist nicht ideal geeignet, als Vorbild für einen ansprechenden Unterricht zu dienen und die Grundlage für die Entwicklung einer persönlichen, gut leserlichen und leichtgängigen Handschrift zu bieten.

Zusätzlich sind viele verfügbare Glyphensets in ihren Akzentsätzen unvollständig, was weder internationalen Standards entspricht noch vielen österreichischen Schulkindern erlaubt, ihren eigenen Namen orthografisch richtig zu schreiben. Weiters ist das derzeitige Angebot an Schulschriften nicht ausnahmslos frei verfügbar, was die oben erwähnte Mangelhaftigkeit von Schriftgestaltung noch unhaltbarer erscheinen lässt.

Kostenlos im Schulbereich verfügbar

"Prima" bietet schriftgestaltungstechnisch professionelle Veränderungen an den wesentlichen Stellen, eine konzeptuell ausgereifte formale Beziehung zwischen unverbundener Druckschrift und (teils) verbundener Schreibschrift sowie eine entsprechende digital-technisch bewältigte Umsetzung. Zusätzlich wurde auch ein internationales Advisory Board ins Leben gerufen, das die Arbeit begleitet und die internationale Tauglichkeit dieser neuen österreichischen Schulschrift bestätigt hat.

Die Schrift ist kostenlos unter einer Creative-Commons-Lizenz verfügbar und steht auf allen digitalen Plattformen und in allen Software-Programmen allen zur Verfügung, die mit Lehren und Lernen von Lesen und Schreiben beschäftigt sind.



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