Blitzidee

Wirkung von Filmmusik

Schüler:innen lernen anhand eigener Recherche, wie Musik zur Wirkung eines Films oder einer Serie beiträgt
  • Sekundarstufe I
  • Sekundarstufe II
  • Werkerziehung & bildnerisches Gestalten
  • Musikerziehung

Kompetenzen der Digitalen Grundbildung

  • Handeln
  • Produktion

Ressourcen

  • Schüler:innen-Endgeräte
  • Beamer oder Digitale Schultafel
  • Internetzugang

Kontext

Musik und Geräusche sind ein sehr wichtiger Bestandteil von Filmen, Serien und Werbespots. Oft nehmen wir sie jedoch nicht bewusst wahr. In dieser Praxis-Idee setzen sich die Schüler:innen mit Filmmusik auseinander und erfahren anhand eigener Recherche, wie mit Musik Erwartungen geschaffen, Stimmungen erzeugt und Zuseher:innen manipuliert werden können.

Vorbereitung

Die Lehrperson sucht eine oder mehrere Filmszenen mit markanter Tonspur, aber möglichst ohne gesprochenen Text aus. Auf YouTube gibt es Sammlungen klassischer Spielfilme, die genutzt werden können, wie etwa den Kanal Artflix. Es ist empfehlenswert, einen älteren Film zu wählen, da die Schüler:innen diesen wahrscheinlich nicht kennen. Außerdem ist der Einsatz der Musik oft einfacher zu deuten.

Geeignete Beispiele sind etwa die ersten Minuten dieser dramatischen Fechtszene aus dem Piratenfilm Pirates of the Coast (1960) oder dieser Verfolgungsjagd aus dem Film Bullitt (1968). 

Einstieg

INPUT | Bedeutung von Musik in visuellen Medien

Plenum

Die Lehrperson erklärt kurz die Bedeutung von Musik und Ton in Filmen, Serien und Werbung - siehe Sachinformation. Hier kann auch schon nachgefragt werden, ob den Schüler:innen die Titelmusik ihrer Lieblingsserien im Gedächtnis geblieben ist und sie diese nachsingen können, oder ob sie Musik aus Werbespots kennen.

Hier kann ein alter Werbespot von Lufthansa eingespielt werden, anhand dessen sich gut zeigen lässt, wie unterschiedlich ein und dieselbe Szenenfolge mit verschiedener Tonspur auf das Publikum wirkt.

Durchführung

HÖRÜBUNG | Szenenuntermalung

Plenum

Die Lehrperson spielt nur die Tonspur einer vorbereiteten markanten Filmszene ab (z.B. eine spannende Verfolgungsjagd oder eine traurige Abschiedsszene), ohne das Bild zu zeigen.

Die Schüler:innen sollen danach beschreiben, was ihrer Meinung nach in dieser Szene passiert. Mögliche Leitfragen sind:

  • Zu welchem Genre (Krimi, Western, Science Fiction, Komödie…) gehört der Film? Eventuell muss das Konzept des Genres zuvor angesprochen werden.
  • Was geschieht wohl in dieser Szene?
  • Welche Personen sind beteiligt?
  • Wie fühlen sich die beteiligten Personen?

Die Aussagen der Schüler:innen werden auf Tafel oder Flipchart gesammelt.

Wurden mehrere Szenen vorbereitet, wird diese Übung wiederholt.

Danach zeigt die Lehrperson den Filmausschnitt bzw. die Ausschnitte mit Bild, und es wird diskutiert, inwiefern die vorherigen Einschätzungen der Schüler:innen zutreffend waren.

PRÄSENTATION | Der Aufzug

Plenum

Die Klasse sieht sich gemeinsam den Film “Der Aufzug” an. Hier wird dreimal die gleiche Szenenfolge mit unterschiedlicher Musik präsentiert. Nach jeder Version wird der Film pausiert und folgende Fragen gestellt:

  • Zu welchem Genre gehört der Film, aus dem diese Szene stammt? Was deutet darauf hin?
  • Was befindet sich wohl im 6. Stock?
  • Was sieht die Person, nachdem sie ausgestiegen ist?

DISKUSSION | Merkmale der Filmmusik

Plenum

Nach der letzten Version werden die Merkmale der Filmmusik diskutiert, die auf die einzelnen Genres hinweisen, z.B.:

  • Welche Instrumente werden eingesetzt?
  • Ist der Rhythmus schnell oder langsam?
  • Ist die Musik harmonisch oder dissonant?
  • Baut sich die Musik zu einem Höhepunkt auf oder plätschert sie dahin?
  • Hat die Musik beeinflusst, wie ihr den Charakter der Person eingeschätzt habt?

Die Erkenntnisse können wieder auf Tafel oder Flipchart gesammelt werden.

RECHERCHE | Welcher Sound passt?

Partner:innenarbeit

Die Lehrperson gibt die Titel einiger Situationen vor. Ideen dafür können auch im Plenum gesammelt werden. Situationen können sein:

  • Einsamkeit im Weltall
  • ein wichtiger Sieg
  • eine überraschende Entdeckung
  • das gruselige Geheimnis im Keller
  • neue Freundschaft

Die Schüler:innen bilden Paare und suchen online, z.B. auf der Plattform freesound.org, nach passenden kurzen Sounddateien und notieren die Links.

Alternative: Musikstücke können auch mithilfe von KI-Werkzeugen wie Sonauto, Suno oder Udio selbst generiert werden.

PRÄSENTATION | Ergebnisse der Recherche/der Generierung

Plenum

Die Paare präsentieren nun die Ergebnisse ihrer Recherche. Sie können auch nur stichprobenartig bzw. nach Wunsch der Schüler:innen vorgeführt werden. Dabei erzählen die Schüler:innen, welche Kriterien sie bei der Suche angewendet haben, welche Instrumente und welcher Musikstil ihnen passend zum Thema erschienen sind, etc. Im Falle von generierten Musikstücken werden die verwendeten Prompts diskutiert.

Reflexion

Nun wird noch einmal über die Wirkung von Filmmusik diskutiert. Mögliche Leitfragen:

  • Wie wirken Filme, wenn keine Musik dabei ist? Kennt ihr solche Filme (z.B. Dogma-Filme)?
  • Gibt es Situationen im Film, in denen Stille besser wirkt als Musik? Fallen euch Szenen dazu ein? (z.B. Spannung, Grusel)
  • Könnte man Szenen bloß durch Einsatz von Musik komplett "umdrehen", also z.B. die Wirkung von gruselig auf lustig ändern?
  • Fühlt ihr die Wirkung von Filmmusik manchmal im Körper - etwa durch Herzklopfen oder Gänsehaut?
  • Welche Instrumente wirken eher "böse", welche positiv?
  • Fühlt ihr euch manchmal von Filmmusik "ausgetrickst", weil sie euch sozusagen vorschreibt, was ihr gerade zu fühlen habt?
  • Wenn heute ein Film über euren Schultag gedreht würde – welches Lied sollte im Abspann laufen?

Abschließend kann den Schüler:innen die Aufgabe zugewiesen werden, bei den nächsten Filmen und Serien besonders auf die Musik zu achten und evtl. zu notieren, wenn ihnen etwas Besonderes dabei auffällt.


Weiterführende Ideen

  • Musik in der Werbung
    Besonders in der Werbung soll Musik ein positives Gefühl bei den Konsument:innen hervorrufen. Sie trägt damit entscheidend zur Wirkung des Spots bei. Kurze Werbe-Jingles bestehen nur aus wenigen Takten, sollen aber möglichst unverwechselbar sein, sofort mit dem Produkt verknüpft werden und für gute Stimmung sorgen. Schüler:innen sammeln Werbespots, die ihnen besonders wirkungsvoll erscheinen, und diskutieren über die Rolle der Musik.
  • Musik in sozialen Medien
    Clips auf TikTok und Instagram sind immer mit Musik unterlegt. Wie in der Werbung soll die Botschaft von Influencer:innen verstärkt werden. Zugleich wird dadurch die Wahrnehmung von Musik und auch die Musikindustrie selbst verändert, weil schon Clips von wenigen Sekunden Länge funktionieren müssen. Viele Songs werden durch TikTok erfolgreich oder gelangen wieder in die Charts. Schüler:innen analysieren und recherchieren, welche Musik häufig eingesetzt wird und wie Social Media das eigene Erleben von Musik beeinflussen. Es kann etwa nachgefragt werden. Wer hat schon einmal das ganze Lied gehört? Hat das dann noch immer die gleiche Wirkung, bzw. weckt das die gleichen Gefühle wie der Ausschnitt?
  • Musik im Videospiel
    Hier hat Musik ebenfalls die Funktion, die emotionale Wirkung des Geschehens zu verstärken. Da sich die Handlungen der Spielenden nicht vorhersagen lassen, muss die Musik so gestaltet sein, dass sie sich der Situation flexibel anpasst, sei es Erkundung, Dialog oder Kampf. Die Schüler:innen sollen die Musik ihrer Lieblingsspiele analysieren und einschätzen, wie sie zum Gesamterlebnis des Spiels beiträgt. Im Musikunterricht kann recherchiert werden, wie Musik für Spiele komponiert und produziert wird.
  • Geschichte der Filmmusik
    Schüler:innen recherchieren zur Geschichte der Filmmusik und gestalten dazu einen Zeitstrahl. Die Anfänge können bis zu Opern und Unterhaltungsshows des 19. Jahrhunderts zurückreichen, über die Livemusik der Stummfilmzeit bis zu heutigen Serien und Spielfilmen. Diese Aufgabe eignet sich gut für die Arbeit in Gruppen, die jeweils eine Epoche übernehmen.

Sachinformationen

Musik im Film unterstützt die emotionale Wirkung der Handlung. Zusätzlich sorgt die Titelmelodie eines Films oder einer Serie dafür, dass sie z.B. in einem Trailer sofort erkennbar sind. Bild und Ton bilden im Film eine Einheit, wobei der Ton oft nur unbewusst wahrgenommen und erst bei aufmerksamer Betrachtung wirklich registriert wird.

Der exzessive Einsatz von Musik wird manchmal als "Schummeln" durch die Filmemacher:innen bezeichnet, weil dadurch ein Gefühl erzeugt werden kann, das durch das sichtbare Bild gar nicht hervorgerufen wird - z.B. ein "auf die Tränendrüse drücken". So ist es auch möglich, eine neutrale Szene nur durch den Einsatz unterschiedlicher Musik mit verschiedenen Bedeutungen aufzuladen.

Im Genre der Satire werden Szenen mit einer eigentlich nicht passenden Musik unterlegt, etwa marschierende Soldaten mit Zirkusmusik, um sie ins Lächerliche zu ziehen.

In großen Filmproduktionen werden oft ganze Orchester für das Einspielen der Filmmusik eingesetzt. Neben der Unterstützung der gewünschten Emotionen (Mood-Technik) wird auch die Leitmotiv-Technik genutzt, die von Richard Wagner in seinen Opern perfektioniert worden war. Dabei werden Figuren und Objekten eigene musikalische Motive zugeordnet. Das hilft dem Publikum dabei, der Handlung zu folgen. Eines der bekanntesten Beispiele für den konsequenten Einsatz von Leitmotiven ist die Star Wars Filmreihe.