Studie: So digital kompetent ist Österreich

Für die Studie Digital Skills Austria IV wurden über 2300 Menschen zu ihren digitalen Kompetenzen befragt.

Studien

Wie gut Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt zurechtkommen, wird regelmäßig in Studien berichtet (siehe unten “weitere Beiträge zum Thema”). Doch wie ist es in dieser Hinsicht um die erwachsene Bevölkerung in Österreich bestellt? Dieser Frage nahm sich zuletzt die Studie Digital Skills Austria IV an.

Über 2300 Menschen ab 16 Jahren wurden für die Studie befragt (Durchschnittsalter 49 Jahre). Durch eine Mischung aus Selbsteinschätzung, Wissenstests und Problemlösungsaufgaben konnte ermittelt werden, wie viel die Befragten über die digitale Welt und ihre Herausforderungen wissen, wie kompetent sie damit umgehen können und wie zutreffend sie ihre eigenen Fähigkeiten in dieser Hinsicht einschätzen. Ein besonderer Schwerpunkt wurde auf das Thema Desinformation und Falschnachrichten gelegt.

Wissen, Kompetenz und Selbsteinschätzung

Insgesamt herrscht in Österreich ein hohes Niveau digitaler Teilhabe – jedoch mit deutlichen Unterschieden was die Fähigkeiten betrifft. Vor allem sind Selbsteinschätzung, Wissen und die tatsächlichen Kompetenzen oft nicht deckungsgleich. Die Studienautor:innen clustern die Befragten in sieben verschiedene Profile, mit jeweils unterschiedlichen Zusammensetzungen von Wissen, Tätigkeiten, Selbsteinschätzung und Kompetenzen im digitalen Raum. 

  • Cluster 1 - Zurückhaltende Basisnutzer:innen: Sie nutzen digitale Angebote grundsätzlich eher wenig und bewegen sich im digitalen Raum eher vorsichtig und mit begrenzter Sicherheit. 
  • Cluster 2 - Digital Distanzierte: Dem Digitalen klar fern. Sie verfügen über das geringste Wissen, die geringsten Kompetenzen und die geringste Tätigkeitspraxis.
  • Cluster 3 - Solide Anwender:innen: Alltagstauglich, aber nicht souverän. Sie verfügen überdurchschnittliche, funktionale digitale Handlungsfähigkeit ohne starke Besonderheiten. 
  • Cluster 4 - Selbstsicher Kompetenzschwache: Viel Zutrauen, wenig Substanz. Sie trauen sich viel zu, haben aber eine begrenzte Wissens-, Tätigkeits- und Kompetenzbasis.
  • Cluster 5 - Aktive Digitalpraktiker:innen: Sie haben viel digitale Alltagspraxis und hohes Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, sind aber nicht maximal kompetenzstark.
  • Cluster 6 - Digital Souveräne: Sicher, kompetent und aktiv. Sie haben umfassende digitale Souveränität und sind kompetent, aktiv, wissend und ressourcenstark.
  • Cluster 7 - Aktiv Improvisierende: Aktiv, aber wenig fundiert. Sie haben viel digitale Praxis, aber nur begrenzt fundiertes Wissen und mittlere Kompetenz. 

Risiken entstehen vor allem dann, wenn Menschen digitale Technologien zwar aktiv nutzen, dabei aber nur geringe Kompetenzen an den Tag legen. Digitale Ungleichheit zeigt sich den Studienautor:innen zufolge daher mittlerweile weniger im Zugang zur digitalen Welt, sondern eher darin, die eigene Handlungsfähigkeit korrekt zu beurteilen und digitale Technologien zielgerichtet nutzen zu können. Um Menschen dahingehend zu unterstützen, brauche es differenzierte Angebote, die die Medien- und digitalen Kompetenzen fördern.

Knapp jeder vierte hat Probleme mit Fake News

Dass Desinformation und Falschnachrichten in der digitalen Welt ein massives Problem darstellen, ist für 70% der Befragten klar. Sie sehen dadurch vor allem das Vertrauen in Politik, Medien und demokratische Prozesse gefährdet. In einem Desinformationstest konnten die Befragten im Durchschnitt vier von sieben Nachrichten korrekt einordnen. Besonders bei aufgeladenen Themenfeldern wie z.B. der Klimakrise gab es am häufigsten Fehlurteile. Außerdem zeigte sich, dass fast jede:r vierte Befragte grundlegende Schwierigkeiten bei der Unterscheidung zwischen realen und Falschnachrichten hat: 22% der Befragten konnten nur 1-2 Nachrichten korrekt einordnen, 2% lagen bei allen sieben Nachrichten falsch.

Die persönlichen politischen Einstellungen beeinflussen die Bewertung von Informationen stark. Personen, die sich eher politisch rechts positionieren, schneiden tendenziell schlechter ab als jene, die sich politisch in der Mitte oder links positionieren. Auch wer alternative Medien nutzt und etablierten Quellen nur wenig vertraut, ist tendenziell anfälliger für Desinformation. Problematisch ist vor allem der Illusory-Truth-Effekt: Inhalte, die Personen bereits zu kennen glauben, werden signifikant häufiger als wahr eingeschätzt – unabhängig davon, ob sie tatsächlich wahr sind. Ist man Falschnachrichten also wiederholt ausgesetzt, erhöht das automatisch deren Glaubwürdigkeit.

Eine zentrale Herausforderung liegt also darin, dass Falschnachrichten und Desinformation im besten Fall überhaupt nicht in Umlauf kommen sollten, da die bloße Wahrnehmung dessen dazu führt, dass Personen ihnen Glauben schenken. Zudem sehen die Studienautor:innen auch hier Medienkompetenz und digitale Kompetenzen als zentrale Hebel zur Besserung der Situation.


Über die Studie

Die Studie Digital Skills Austria IV 2026 ist Teil einer Vergleichs-Studienreihe der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) unter Beteiligung der Österreichischen Agentur für Bildung und Internationalisierung (OeAD GmbH). Die Befragung fand im Sommer 2025 statt. Insgesamt wurden 2307 Menschen ab 16 Jahren in Österreich (Durchschnittsalter 49 Jahre) befragt, davon 53% Frauen und 47% Männer.