Toxische Männlichkeit im Unterricht kontern - Teil 2

Wie wir bereits im Artikel über die “Manosphere” länger ausgeführt haben, ist ein zentraler Bestandteil von toxischer Männlichkeit im Netz und in Sozialen Medien auch latenter Sexismus (Diskriminierung, Abwertung oder Benachteiligung aufgrund des Geschlechts), Anti-Feminismus (Bekämpfen aller Emanzipationsbestrebungen) und Misogynie (Frauenhass/Frauenfeindlichkeit, die von Abwertung über Belästigung und Gewalt bis hin zu Mord/Femizid führt).
Eine genauere Definition dieser und auch anderer Begriffe werden auch im Rahmen der “Online-Ausstellung” des deutschen Projekts "SPOTLIGHT - Antifeminismus erkennen und begegnen" gegeben. Auf dieser Webseite sind auch pädagogische Begleitmaterialien wie etwa ein Methodenkoffer für die Bildungsarbeit zu finden.
Sexistische Werbung dechiffrieren
Um diese Themen medienpädagogisch zu begleiten, könnten im Unterricht Werbungen auf ihre Rollenbilder untersucht werden. Mit entsprechender Vorlaufzeit kann hier etwa auch die Eigenrecherche in Einzel- oder Partner:innenarbeit vorangestellt werden. Im Rahmen derer sollten die Schüler:innen die ihnen angezeigte oder eingespielte Werbung (Soziale Medien, Fernsehen, Internet, YouTube, etc.) selbst aufmerksam auf Geschlechtsstereotype oder sexistische Inhalte über einen gewissen Zeitraum untersuchen und mitnotieren oder -dokumentieren. Gemeinsam können dann ausgewählte Suchergebnisse besprochen und analysiert werden.
Eine vorangestellte Recherche bietet vor allem auch den Vorteil, dass das zu besprechende Material direkt aus der Lebensrealität der Schüler:innen kommt und dadurch direkte Anknüpfungspunkte birgt. Sollte dafür keine Zeit sein, lassen sich auf der Seite des deutschen Werberats (es gibt leider keine entsprechende österreichische Plattform mit Beispielen) relativ aktuelle Negativbeispiele finden - etwa auch dieses Video eines deutschen Restaurants, für das es eine Rüge erhielt.
Aufgrund der sehr augenscheinlichen Rollenbilder und Stereotype sind aber auch Werbespots der 1950er- und 1960er-Jahre immer wieder ein sehr gutes Anschauungsbeispiel. So etwa folgendes Video “Wenn man's eilig hat” von Dr. Oetker aus 1954:
Dieser Clip hat vor allem auch den Vorteil, dass er mit folgendem Video gekontert bzw. in Kontext gesetzt werden kann, der mit einer kurzen allgemeinen Einführung und Definition von Sexismus startet.
Danach folgt eine Spiegelung eines Ausschnitts aus dem oben eingefügten Video, in der die Rollen zwischen Mann und Frau vertauscht sind (ab Minute 01:41). Dadurch werden die vorhandenen sexistischen Stereotype noch einmal klarer:
Ein besonders drastisches Werbevideo mit der Darstellung von veralteten Männerbildern ist zudem auch noch der Edeka-Clip “Herren des Feuers” aus dem Jahr 2020, mit dem die Überbetonung angeblich männlicher Charaktereigenschaften gemeinsam kritisch hinterfragt werden kann. In Zusammenhang mit diesem Spot könnte etwa auch die Darstellung der Frauen als reiner Aufputz bzw. Nebendarstellerinnen besprochen werden.
Praxis-Ideen zur Unterstützung
Zur Unterstützung bei der Behandlung dieses Themas können auch unsere Praxis-Ideen Geschlechtsstereotype Medienheld:innen (Primarstufe), Gender und die Medien (Sekundarstufe 1, Sekundarstufe 2) sowie KI & Schönheitsfilter - Wie KI den Blick auf Körper verändert (Sekundarstufe 1, Sekundarstufe 2) herangezogen werden.
Antifeministischen Content aufarbeiten
Antifeministischer Content kann in Versatzstücken mithilfe von feministischen Content-Creatorinnen aufgearbeitet werden. Zusätzlichen Hintergrund liefert hier auch die Zusammenstellung von klassischen antifeministischen Narrativen und deren Widerlegung unter diesem Link.
Als Beispiel für ein zu besprechendes antifeministisches Argument kann etwa folgender Instagram-Post von Tara-Louise Wittwer (@wastarasagt) herangezogen werden:
Mithilfe des Videos kann der zentrale Vorwurf ("Durch emanzipierte Frauen verlieren Männern ihre Rechte") aufgearbeitet und besprochen werden.
Eine gute Diskussionsgrundlage liefert auch ein Clip von Josephine Schreiber (@josischreibt):
Das zentrale Argument bei diesem Clip, das Schreiber Stück für Stück auseinander nimmt, ist: “Ohne Männer würde es keine Erfindungen geben und die Menschheit noch in der Steinzeit leben”. Dies widerlegt sie durch die Aufzählungen mehrerer Erfindungen von Frauen - im Unterricht kann diese Liste selbstverständlich noch erweitert werden.
Gute Ausgangsgrundlagen für Diskussionen mit Schüler:innen liefern zudem mit teilweise anderen Schwerpunkten etwa auch die Accounts von Leonie Schöler (@heeyleonie - Fokus feministische Geschichte) und Evelyn Höllrigl (@little.paper.plane - beleuchtet antifeministische Aussagen). Bei letzterer können mit einem Video und Hintergrundinformationen via Post etwa auch durch Kinderkleidung transportierte Rollenbilder und Stereotype kritisch hinterfragt werden.