Wie Medien das Selbstbewusstsein beeinflussen

Kinder und Jugendliche sind in Medien häufig optimierten Selbstdarstellungen und fragwürdigen Schönheitsidealen ausgesetzt. So kann ein kritischer Blick vermittelt werden.

Jugendkultur
Bild von diversen kleinen Graffitis, die Emojis, Like-Buttons und Herzen darstellen.
Die Anzahl an AbonnentInnen, Likes und Kommentaren in sozialen Medien sorgt häufig für einen ständigen sozialen Vergleich mit anderen.

Morgens kurz die WhatsApp-Nachrichten checken, die Zeit in den Öffis mit einem Spiel am Smartphone vertreiben und abends auf der Couch durch die neuesten Posts und Stories auf Instagram swipen. Digitale und soziale Medien sind schon längst Teil unseres Alltags, ebenso für Kinder und Jugendliche. Vor allem in Zeiten der Covid19-Pandemie nahmen digitale Medien eine wichtige Rolle ein – sei es, um mit FreundInnen in Kontakt zu bleiben oder auch um Fernunterricht abhalten zu können. Doch bei allen Vorteilen und Chancen, die Medien mit sich bringen, so bergen sie auch Risiken und können unter anderem das Selbstbewusstsein junger Menschen maßgeblich beeinflussen.

Soziale Medien vs. sozialer Druck

In sozialen Medien wird heutzutage vor allem durch Bilder und Videos kommuniziert. So mühelos viele Bilder auch aussehen mögen, so steckt dahinter oft viel Arbeit: Pose, Hintergrund und Gesichtsausdruck werden perfektioniert, Bilder überarbeitet und mit passenden Filtern versehen. Zudem sind die Momente und Motive, die festgehalten werden nicht zufällig, sondern ganz bewusst gewählt. Überspitzt formuliert: Selbst beim Essen wird nicht das fade, abendliche Wurstbrot fotografiert, sondern die perfekt angerichtete, kunterbunte und fotogene Bowl im hippen Restaurant.

Speziell InfluencerInnen überlassen bei ihren Postings üblicherweise nichts dem Zufall. Bilder, die bekannte Social Media-Stars posten, werden häufig von Profi-FotografInnen angefertigt und entsprechend überarbeitet. Im Social Media-Feed der Follower, also auch der Kinder und Jugendlichen, findet sich letztendlich eine Flut an optimierten Bildern, die das aufregende Leben von durchwegs attraktiven Menschen darstellen. Sich selbst, den eigenen Körper und das eigene Leben laufend mit solchen Darstellungen zu vergleichen, kann durchaus frustrierend sein und zu Selbstzweifel führen.

Fragwürdige Botschaften in Handyspielen

Auch jüngere Kinder, die mit Instagram und Co. noch keine Erfahrungen haben, sind davor nicht gefeit. Ein Grund dafür sind aktuell unter anderem Spiele-Apps, die vor allem in ihren Werbungen fragwürdige Botschaften zu Schönheitsidealen vermitteln. Eine solche App ist unter anderem “Project Makeover”. Diese wurde alleine im Google Play Store über 10 Mio. mal heruntergeladen und wird aktuell stark beworben. In den Werbungen steht stets ein Mädchen mit Brillen, viel Körperbehaarung, Pickeln oder einer rundlichen Figur im Mittelpunkt, das die Aufmerksamkeit eines Jungen auf sich ziehen will und deshalb einem “Makeover”, also einer umfangreichen optischen Veränderung, unterzogen werden soll. Neben sexistischen und stereotypen Geschlechterrollen-Darstellungen wird dabei vermittelt, dass man nur glücklich sein und geliebt werden könne, wenn man den gängigen Schönheitsidealen entspricht.

Tipps für den Unterricht

Schon eine gemeinsame Diskussion im Plenum zum Einfluss der Medien auf das Selbstbewusstsein kann zur Reflexion anregen. Je nach Alter der SchülerInnen kann dabei z.B. besprochen werden wer die Vorbilder der Kinder und Jugendlichen sind, wem sie in sozialen Netzwerken folgen, wessen YouTube-Videos sie gerne schauen und vor allem warum. Wie entstehen nach Meinung der SchülerInnen jene Bilder, die InfluencerInnen in sozialen Netzwerken veröffentlichen? Wie viel Aufwand steckt ihrer Ansicht nach dahinter? Wie viel Aufwand betreiben sie selbst, wenn sie Fotos weiterschicken oder online veröffentlichen? Für wie natürlich oder realistisch halten sie den Eindruck, den InfluencerInnen in sozialen Netzwerken vermitteln? Auch kurze Videos können gut als Diskussionsanregung dienen, einige Beispiele finden Sie hier:

Für jüngere SchülerInnen bietet sich weiterführend eine Reflexion der eigenen MedienheldInnen an. Auch in einem Fotoprojekt unter dem Motto “Das alles bin ich” kann das Thema gut behandelt werden. Mit älteren SchülerInnen kann die Selbstdarstellung in sozialen Medien z.B. anhand typischer Posen reflektiert werden. Anregungen und Hilfestellungen dazu finden sich in den folgenden Praxis-Ideen:



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