Sphero Mini
Sekundarstufe 1, Sekundarstufe 2
Kurzbeschreibung:
Der Sphero Mini Roboter hat die Form einer Kugel, ebenso wie der schon 2018 getestete Sphero SPRK+ Roboter. Der Sphero Mini wird via Tablet oder Smartphone gesteuert und hat folgende Funktionalitäten:
- Bewegung
- LED Beleuchtung
- Audioausgabe (am Tablet)
- Gyroskop
- Beschleunigungsmesser
Erste Inbetriebnahme:
Der Sphero Mini wird mittels Akku betrieben. Ein Micro-USB-Kabel ist im Lieferumfang enthalten. Um den Roboter zu laden und den Micro-USB-Anschluss freizulegen, muss eine Plastikhülle des Roboters geöffnet werden (wasserdicht ist der Sphero Mini dennoch nicht). Im Vergleich zum Sphero SPRK+ ist der Sphero Mini deutlich kleiner. Getestet wurde das Sphero Mini Activity Kit, zu dem neben dem Roboter, einer Schutzhülle und dem Ladekabel noch Activity Cards und diverse Zubehörteile zur Gestaltung von Parcours gehören. Zur Steuerung werden, wie auch beim Sphero SPRK+, die Apps Sphero Edu (iOS, Android) und Sphero Play (iOS, Android) empfohlen.
Der Verbindungsaufbau zwischen Tablet und Sphero Mini funktionierte im Test mit beiden Apps problemlos. Während die Sphero Mini-App eher auf spielerische Anwendungen abzielt, kann mit der Sphero Edu-App eine blockbasierte Programmieroberfläche genutzt werden. Zu Beginn wird man in den Apps auf das korrekte Ausrichten des Roboters hingewiesen, was aufgrund der Kugelform ein immer wieder notwendiger Schritt ist.
Handhabung:
Hardware:
Der Sphero Mini ist mit einem Durchmesser von nur 42mm erheblich kleiner und auch leichter als der Sphero SPRK+ (ca. 70mm Durchmesser). Er ist robust gebaut und von einer abnehmbaren, transparenten Plastikhülle umgeben. Diese gibt Einblicke auf das technische Innenleben des Roboters, zu welchen unter anderem LED-Beleuchtung, ein Gyroskop und ein Beschleunigsmesser gehören. Der eingebaute Akku wird via Micro-USB-Kabel geladen. Der Sphero Mini selbst hat keinen Lautsprecher, Tonausgabe ist daher nur über das Tablet möglich.
Zum Lieferumfang gehören neben dem Roboter und dem Ladekabel eine optionale Schutzhülle, die je nach Untergrund auch hilfreich sein kann, damit sich der Sphero Mini besser und mit weniger Rutschen fortbewegen kann. Im Test erwies es sich dennoch als schwierig, präzise Bewegungen mit dem Sphero zu programmieren bzw. zu steuern, wodurch auch die mitgelieferten Parcours-Teile oft eher verschoben werden, als eine tatsächliche Begrenzung zu bilden. Die mitgelieferten Parcours-Teile des Activity-Sets sind robust gebaut und können auf verschiedene Arten kombiniert und zusammengesteckt werden. In Relation zum sehr kleinen Sphero Mini Roboter sind aber auch die Zubehörteile, vor allem die mitgelieferten Kegel und Verkehrshütchen, sehr klein und laufen im Einsatz mit Schüler:innen womöglich Gefahr, schnell verloren zu gehen.
Steuerung/Apps:
Der Sphero Mini kann in der Sphero Edu-App in drei verschiedenen Varianten programmiert werden: Durch das Zeichnen von Strecken, die Sphero dann nachfährt, mit grafischen Codeblöcken oder auch mit JavaScript. Auch bei der Programmierung mit grafischen Codeblöcken kann jederzeit der JavaScript-Code angezeigt werden. Die bei der Bewegung des Roboters entstehenden Sensordaten können angezeigt und auch exportiert werden. Diese liefern genaue Einblicke über die diversen Neigungswinkel, die Beschleunigung, Geschwindigkeit oder auch die zurückgelegte Strecke. Da Bewegungen beim Sphero mit einer Mischung aus Grad-, Geschwindigkeits- und Zeitangaben programmiert werden und die Bewegung der Kugel je nach Untergrund leicht unterschiedlich sein kann, ist es sehr schwierig präzise Bewegungen zu programmieren. Neben der Programmiermöglichkeit enthält die Sphero Edu-App auch eine Möglichkeit zur Fernsteuerung des Roboters. Die Sphero Edu-App enthält auch Lektionen, jedoch muss hier selbstständig aktiv nach dem entsprechenden Sphero-Modell gefiltert werden.
Die Sphero Play-App zielt vor allem auf den spielerischen Bereich ab. Die App enthält verschiedene Steuerungsmodi, wie z.B. Steuerung durch Neigung des Tablets und Spiele, in denen Sphero oftmals als Steuerungsgerät zum Einsatz kommt. Für den Unterricht sinnvoll ist hier vor allem die Möglichkeit, mit Symbol-Blöcken zu programmieren. Dabei steht nur eine begrenzte Auswahl an sehr einfachen Befehlen (wie z.B. vorwärts, rechts, etc.) zur Verfügung.
Pädagogisches Fazit:
Sphero Mini ist der „kleine Bruder“ des Sphero SPRK+. In der Sphero Edu App bleibt die Oberfläche identisch zum Vorgängermodell, was einen Umstieg oder den parallelen Einsatz beider Roboter im Unterricht erleichtert. Wie schon beim Vorgänger ist für die Programmierung über die Sphero Edu App das Wissen über die Zusammenhänge von Winkeln sowie Grad- und Zeitangaben notwendig. Da diese Themenkomplexe in dieser Tiefe erst im Mathematik-Lehrplan der Sekundarstufe I verankert sind, erscheint ein pädagogisch sinnvoller Einsatz der Programmiersprache erst ab dieser Altersstufe realistisch.
Sobald diese mathematischen Kompetenzen vorhanden sind, liegt die Stärke des Roboters eindeutig in der Vertiefung und Wiederholung dieser Inhalte. Weniger im Fokus steht die klassische Wissensvermittlung, bei der der Roboter lediglich als Motivator für fachfremde Themen dient (wie es beispielsweise beim Bee-Bot der Fall ist). Dies wirft die Frage auf, wie nachhaltig und abwechslungsreich der Einsatz des Sphero im langfristigen Unterrichtskontext tatsächlich ist.
Neue Steuerungsmöglichkeiten
Seit unserem Test von Sphero SPRK+ wurden die Steuerungsmöglichkeiten in der Play-App erweitert. Eine neue, reduzierte Oberfläche (Bewegung, Lichtfarbe) ermöglicht einen niederschwelligen Einstieg in blockbasierte Programmierung. Weitere Steuerungsmöglichkeiten wie die Neigungssteuerung oder das Zeichnen von Wegen bieten einen hohen Spaßfaktor. Ein konkreter pädagogischer Mehrwert ist hier jedoch kaum erkennbar und sie wirken eher wie unterhaltsame Extras ohne tiefgreifende Lernziele. Die Stärke des Roboters und der Apps liegen eindeutig in der Sphero Play App, bei welcher der Roboter primär als Controller oder ferngesteuertes Fahrzeug genutzt wird. Im Praxistest traten gelegentlich Schwierigkeiten und Verzögerungen bei der Steuerung auf.
Das Activity Kit
Das optional erhältliche Activity Kit bietet durch aufeinander aufbauende Karten einen guten Überblick über die Programmiermöglichkeiten und liefert kreative Einsatzszenarien. Die Karten sind aktuell nur in englischer Sprache verfügbar und die Aufgaben werden schnell schwieriger. Auch hier werden früh mathematische Kenntnisse vorausgesetzt, die jüngere Schüler:innen noch nicht besitzen. Die Aufgabenstellungen sind nicht immer lückenlos nachvollziehbar, was eine hohe Frustrationstoleranz erfordert. Das beiliegende Material ist sehr kleinteilig.
Fazit
Obwohl der Hersteller die Altersgrenze mit 5 Jahren angibt, ist ein pädagogisch wertvoller Einsatz unserer Meinung nach erst ab der Sekundarstufe I sinnvoll. Doch selbst in dieser Altersgruppe bleibt fraglich, ob der Roboter im Vergleich zu spezialisierteren Alternativen langfristig motivieren kann.
Für jüngere Kinder bieten die verschiedenen Steuerungsmodi zwar spielerische Unterhaltung, haben jedoch kaum pädagogischen Mehrwert. Letztlich hängt die Entscheidung vom Einsatzzweck ab: Wenn das Ziel eine langfristige Vermittlung von Programmierkompetenzen oder Wissensvermittlung gemäß Lehrplan ist, gibt es Roboter, die deutlich zielgerichteter eingesetzt werden können.
Getestet im Mai 2026