Botzee mini

Die kleine Pistenraupe auf der Suche nach Linien.

Elementarstufe, Primarstufe

Kurzbeschreibung:

Der Botzee Mini erinnert in seiner Form etwas an eine Pistenraupe. Der quaderförmige Plastikkörper des Roboters hat oben und auf beiden Seiten Ansteckvorrichtungen für Erweiterungen. Bewegt wird er über zwei seitliche Räder, die mit einem Laufband aus Gummi verbunden sind. 

Dabei folgt er dank einer als Sensor genutzten Kamera auf der Unterseite allen Linien, die auf Unterlagen entweder aufgedruckt oder aufgezeichnet sind. Manuell oder per App kann der Botzee Mini nicht gesteuert werden. Der Roboter verfügt über folgende Funktionalitäten:

  • Bewegung
  • LED-Anzeige (vorne)
  • Audio-Ausgabe
  • Kamera (als Sensor genutzt)

Erste Inbetriebnahme:

Botzee Mini erhält seine Energie von einem eingebauten Akku, der mittels USB-Kabel aufgeladen werden kann. Dieses ist ebenso im Standardset enthalten, wie 26, auf den Roboter aufsteckbare Teile, 5 Sätze Befehlskarten (je 24) und zwei Steuerungsmatten aus Papier im Format DIN A2. Ein Quickstart Guide klärt anschaulich über erste Schritte zur Steuerung auf - allerdings stößt der Botzee Mini bereits unmittelbar danach sehr stark an die Grenzen der Einsetzbarkeit.

Mit den vorhandenen Matten kann der Roboter auf vier verschiedene Modi voreingestellt (“programmiert”) werden. Dazu lässt man ihn anfangs über ein eigenes Feld fahren, mit dem er auf “Coding Basic 1” sowie “Coding Basic 2” als auch “Mathematik” oder “Musik” gedrillt wird. Danach fährt er von einer Startflagge entlang vorgedruckter Linien zu einer Zielflagge. 

Dazwischen kann er auf zwei verschiedene Arten (unmittelbar auszuführende Befehle, “gespeicherte Befehle”) mit den Befehlskarten gesteuert werden. Diese wirken auf den ersten Blick nicht sonderlich langlebig (dünner Karton) und müssen auch sehr genau aufgelegt werden, um vom Roboter korrekt eingelesen zu werden. Auch die Matten sind lediglich aus Papier, werden in der Praxis also mit ziemlicher Sicherheit sehr schnell verschleißen.

Hardware:

Hardware:

Der Roboter macht einen grundsätzlich sehr robusten Eindruck und dürfte durchaus auch einen raueren Umgang aushalten. Ob er wirklich auch aus hochwertigem Material besteht, mag zumindest in Ableitung der beschränkten Einsatzmöglichkeiten bezweifelt werden. Vor allem die Gummibänder, die um die beidseitigen Räder gespannt sind, könnten durchaus schnell Schaden erleiden.

Die mitgelieferten Befehlskarten bestehen aus Karton und drohen - gerade auch aufgrund der sehr jungen Zielgruppe - sehr rasch zu verschleißen. Noch viel stärker gilt dies für die Steuerungsmatten aus dünnstem Papier, denen wohl nicht zu lange Einsatzzeiten in der Praxis beschieden sind.

Die Lautstärke des Roboters kann nirgends reguliert werden, die Grundeinstellung ist durchaus gut hörbar. Die Fahrgeräusche sind fast nicht wahrnehmbar, sie gleichen einem ruhigen Summen.

Steuerung/Apps:

Steuerung/Apps:

Botzee Mini folgt grundsätzlich auf einer Unterlage (mitgelieferte Matte oder selbstgezeichnet) aufgebrachten Linien. Will man diese selbst erstellen, sind allerdings zahlreiche Hinweise zu befolgen (grundsätzlich in der Bedienungsanleitung vermerkt), die nicht besonders zielgruppengerecht für Kinder über drei Jahren erscheinen. Beim Test funktionierten selbstgezeichnete Linien halbwegs gut, allerdings kam es auch hin und wieder zum völligen Abweichen vom Kurs.

Zur Steuerung des Roboters werden Befehlskarten benötigt, von denen 5 Sätze zu je 24 Einzelkarten im Set enthalten sind. Bei 120 Einzelkarten gibt es insgesamt 34 unterschiedliche Befehle - hier den Überblick zu behalten kann also durchaus zu Schwierigkeiten führen. Neben Richtungsangaben gibt es auch noch die Ziffern von 1 bis 9, und zudem auch Spezial-Befehle wie “Schaufel”, “Schatz”, “Musik” etc.

Tipp: Da diese Kärtchen aus Karton sind und relativ schnell verschleißen können, empfiehlt es sich, vor dem ersten Einsatz die Befehlskartensets einzuscannen oder zu kopieren. Wie sich im Test zeigte, funktionieren Befehlskarten selbst dann, wenn sie nicht in derselben Farbe wie mitgeliefert ausgedruckt werden.

Der Roboter kann weder manuell durch irgendwelche angebrachten Tasten, noch durch eine App gesteuert werden.

Pädagogisches Fazit:

Botzee Mini wird für Kinder ab 3 Jahren empfohlen. Obwohl nur erste Grundlagen von Coding, Musik und Mathematik vermittelt werden, erscheint uns der pädagogische Einsatz aber erst ab etwa 5 Jahren sinnvoll. Dies liegt vor allem daran, dass die Bedienung wenig intuitiv ist, die Befehlskarten sehr präzise ausgelegt werden müssen und es dadurch eigentlich immer der Begleitung durch eine erwachsene Person bedarf. Der Roboter kann mit einzelnen Kindern oder in einer Kleingruppe genutzt werden.

Auf den “Coding Basic”-Matten wird das Ursache-Wirkungs-Prinzip, vorausschauendes Denken und die bedingte Befehlsausführung vermittelt. Die Aufgabe bei “Coding Basic 1” ist es, den Roboter durch mehrere Kreuzungen zu verschiedenen Zielen zu steuern. Bei “Coding Basic 2” kommen Feuerfelder als Gefahren und Kristalle als Schätze hinzu. Auf der “Musik”-Matte werden mittels der Zahlenplättchen zeitverzögert Töne abgespielt, am Ende ertönt dann die gesamte zuvor eingelesene Tonfolge. Mit nur 7 Tönen kann kaum eine echte Melodie erstellt werden.

Auf der “Mathematik”-Matte können einfache Gleichungen (mit Ergebnissen von lediglich 1-9) aufgelegt und mit dem Roboter geprüft werden. Damit kann man simple mathematische Rätsel gestalten. Die Abbiegekarten werden dann eingesetzt, um zum richtigen Ergebnis zu fahren. Für jede Matte ist nur eine Spielvariante vorgesehen, so sind etwa auf der “Coding Basic 2”-Matte die Gefahren an fixen Positionen platziert.

Die Befehlskarten wirken auf den verschiedenen Matten teils unterschiedlich. So werden die Zahlenkarten auf der “Mathematik”-Matte als Zahlen gelesen, auf der “Musik”-Matte als Noten (nur 1-7), und auf den “Coding”-Matten lösen sie Tierstimmen aus. Das ist für Kinder verwirrend und bricht die Logik des Systems.

Zeichnen eigener Matten möglich

Durch das Zeichnen eigener Matten kann das Aufgabenspektrum potenziell erweitert werden. Hier ist mit Fantasie und Engagement die Gestaltung interessanter und farbenfroher Spielbereiche möglich. Es könnte etwa gemeinsam mit den Kindern unter Einsatz der Gefahren- und Schatzkärtchen eine Art Abenteuerparcours aufgebaut werden.

Gerade wenn ein Roboter sich an eine jüngere Zielgruppe richtet, ist es wichtig, dass Lerninhalt und Spielspaß gleichermaßen vermittelt werden. Beides ist hier kaum vorhanden. Pluspunkte sind die Möglichkeiten, eigene Matten zu gestalten und die Befehlskärtchen beliebig zu vervielfältigen. Es ist für uns aber unerklärlich, dass der Roboter selbst durchaus kindgerecht, die Materialien aber trocken und farblos gestaltet wurden. Die Spielmöglichkeiten sind schnell ausgereizt, die langsame Bewegung des Roboters macht zudem jedes Spiel zu einer Geduldsprobe. Für jüngere Kinder dürfte der Roboter unattraktiv, für Ältere zu langweilig sein. Der Botzee Mini streift einige pädagogisch interessante Bereiche, kann jedoch in jedem Bereich zu wenig, um ihn wirklich empfehlen zu können.


Getestet im September 2026